Radreise Route planen – aber wie?

By | 3. Oktober 2014

Möchtest du einfach drauf losradeln? Das kannst du natürlich machen. Für kleinere Touren ist das nicht einmal die schlechteste Idee. So paradox es klingen mag, aber zu viel Planen kann schlechter sein als zu wenig. Flexibel zu sein, was Zeit und Ort angeht, bringt eine zunächst ungewohnte Freiheit, die du hinterher nicht mehr missen möchtest. Was genau du in welches Detail genau planst, ist und bleibt Geschmacksache. Das gehört zum Prozess, seine eigenen Vorlieben auf Reisen erst mit den Touren kennenzulernen. Dennoch weißt du etwa nicht, wie du mit der Streckenplanung für die Radreise beginnen sollst. Einige Fragen müssen dennoch vorab geklärt sein. Etwa Papierkarten oder GPS-Touring? Von zuhause losradeln oder Anreise per Zug/Flug? Schnelle und asphaltierte oder schöne und abwechslungsreiche Strecke?

Die Route einer Radreise: Der Weg ist das Ziel

Die Route einer Radreise: Der Weg ist das Ziel

Die Reiseplanung vorab ist zudem die reinste Vorfreude, die ja die schönste Freude ist. Die Radreise wird konkreter kommt näher, je mehr du dich sich damit beschäftigt. Das Fernweh wird befeuert, umso mehr du dich mit dem Land oder der Region befasst. Letztlich wird das Reiseradeln umso schöner, je besser du die Gegend kennst, die du bereist.

Destination finden: Wohin soll es hingehen?

Nun gibt es zwei Motivatoren, die einem zur Radreise bewegen. Die Lust aufs Fahrrad fahren und/oder die Lust auf das Land. Gibt es eine Region, ein Land oder ein Ort, wozu der Satz „Da wollte ich schon immer mal hin!“ passt? Dann ist das schon mal die halbe Miete. Denn Fahrrad fahren kann man so gut wie überall auf der Welt. Ja, sogar am Südpol! 😉

Aber auch, wenn du noch nicht weißt, wo es hingehen sollen, ist das Internet prädestiniert als Inspirationsquelle. Natürlich gibt es unzählige Blogs von Radreisenden, die zum Glück ihre Reise mit Bild und Text dokumentieren. Einige meiner Favoriten sind Biketour Global, Stuntzi mit dem MTB oder die Reiseberichte-Sektion im Rad-Forum. Nachdem das Fernweh dank vielen Reiseberichten in Radreiselust umgeschlagen ist, dürfte es dir nicht mehr an lohnenswerten Zielen mangeln.

Internet hin oder her: Infos in Buchform lohnen sich zur Routenplanung

Internet hin oder her: Infos in Buchform lohnen sich zur Routenplanung

Route planen: Strecke selber zeichnen oder Radreiseführer verwenden?

Es führen viele Wege nach Rom. Je nach Land sind Radwege unterschiedlich gut ausgebaut. Für einen ersten Überblick bietet sich die OpenCycleMap an – egal ob eine kurze Radtour vor der Haustür oder am anderen Ende der Welt. Der Vorteil gegenüber den Google Maps sind die eingezeichneten Radwege und die Wegbeschaffenheit – also ob der Weg asphaltiert oder unbefestigt ist. Was das angeht, solltest du wissen, worauf es dir ankommt. Bist du eher der Randonneur, also Rennradler mit Gepäck, der am liebsten auf der Straße und dementsprechend schnell und weit fährt? Oder ist das Vorankommen zweitrangig und soll die Strecke schön statt schnell sein? Dann können durchaus Feld- und Waldwege infrage kommen, aber auch einige Schiebepassagen möglich sein.

Was kürzere Touren angeht, etwa bis ca. eine Woche, so kannst du ruhig Radroutenplaner hernehmen. Etwa Google Maps oder Naviki spucken eine verlässliche Radstrecke aus, wenn man sie mit Start- und Zielpunkt füttert. Die beste Route ist das jedoch nicht. Auch wenn Naviki etwa Unterscheidungen zwischen schnelle, flache oder kurze Strecke bietet, muss das nicht heißen, dass sie den eigenen Vorlieben und Ansprüchen lückenlos genügt.

Für Radreisen empfehle ich daher, keine Routenplaner zu verwenden, sondern die Strecken selbst zu zeichnen. Die Mühe lohnt sich, da du jeden Schlenker oder Abstecher berücksichtigen kannst und schließlich der Weg das Ziel ist. Am geeignetsten dafür halte ich GPSIES. Hier kannst du etwa entlang der OpenCycleMap (oder auch zahlreichen anderen Karten) bequem Routen zeichnen, wobei nicht jeder einzelne Punkt gesetzt werden muss (aber auch kann). Außerdem wird das Höhenprofil schon in der Streckenerstellung angezeigt- genauso die Höhe über Meeresspiegel für jeden Kartenpunkt mithilfe des Cursors. Dadurch kannst du unnötige Steigungen umgehen oder eben einplanen. Außerdem kannst du nach vorhandenen Routen stöbern. Eine Alternative dazu ist die Bikemap.

Komfortable Routenplanung mit GPSIES.com

Komfortable Routenplanung mit GPSIES.com

Zeit planen: Wie lange am Tag radeln?

Kürzere Radreisen von nur wenigen Tagen kannst du auf den Tag genau mit Start- und Zielpunkt planen. Das hat den Vorteil, dass Unterkünfte im Voraus gebucht werden können. Bei längeren Radreisen die Tagesetappen festzulegen, ist jedoch unmöglich. Schnell wirst du merken, dass der ganze Plan über den Haufen geworfen wird, wenn auch nur eine Panne dazwischen kommt.

Plane hier daher nur im Groben. Also kenne deine Tagesstrecke an Kilometern und zusammen mit Pausentagen weißt du somit, wie lange du für die Radreise brauchst. Plane außerdem einen Puffer mit ein und ermittele deine Brutto und Netto-Tageskilometer. Je länger die Tour, umso größer der Puffer. Hast du etwa einen Tagesdurchschnitt von brutto 75 Kilometern, so plane in etwa 100 Kilometer pro Tag zu fahren, um einen Puffer zu haben.

Hast du vor, nur wild zu campen, erfreust du dich größtmöglicher Freiheit und Flexibilität. Denn so hast du gar nichts zu planen und dich nur rechtzeitig nach einem geeigneten Platz umschauen. Daher solltest du nicht gerade in dicht besiedelten Gebieten zum Doch auch wenn du vorhast, nur auf Zeltplätzen oder in Betten zu übernachten, musst du keine Tagesetappen planen. Informiere dich über Campingplätze oder Unterkünfte auf deiner Route und lote die Alternativen für die nächsten ein bis zwei Tage aus.

Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: die Tagesetappe

Du bist schon mal 200 Kilometer weit eine Tagestour gefahren? Nicht unrealistisch. Bedenke aber, dass derartige Leistungen für eine Radreise nicht skalierbar sind. Denn bist du täglich auf Tour, noch zudem mit Gepäck, solltest du auch hier großzügig planen. Eine Radreise ist kein Wettrennen – sie soll Spaß machen und Genuss bieten. Das ständige Glotzen auf den Tacho stresst daher nur und mache dir selbst keinen Druck, etwa mit der Durchschnittsgeschwindigkeit.

Der Radeltag ist begrenz auf die Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang. Je nach Jahreszeit und Ort ist der Tag unterschiedlich lang. Nicht nur Wildcamper sollten über beide Zeiten Bescheid wissen. Wer also nicht im Dunkeln radeln möchte, sollte sich diesen Zeiten stets bewusst sein.

Plane Alternativen zum Zeitplan

Bist du etwa dem Zeitplan hinterher, etwa aufgrund einer Panne, so stelle sicher, dass du notfalls den Zug oder Fernbusse nehmen kannst, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Eine größere Fahrradpanne wird dadurch nur halb so schlimm. Absolut nötig werden solche Alternativen, wenn du etwa einen Rückflug im Voraus gebucht hast.

Zwar weniger ärgerlich aber genauso unpraktisch wäre es, dem Zeitplan weit voraus zu sein. Um etwa dem vorzubeugen, fahre einfach pro Tag entsprechend weniger Kilometer oder lege einen Touri-Tag in einer Stadt ein. Gehe einen Tag wandern oder mach Pause mit Couchsurfing. Sei einfach kreativ und bereichere deine Radreise, die nicht nur aus Kilometerschaufeln bestehen muss.

Gedruckte Karten im digitalen Zeitalter

Ich muss zugeben, dass ich als Technik-Nerd noch nie für Radreisen gedruckte Karten verwendet habe. So praktisch die eben benannten Internet-Tools OpenCylceMap, GPSIES oder auch die OpenAndroMaps für das Smartphone auch sind, gedruckte Radwanderkarten sind noch immer qualitativ am besten, was die Darstellung und Vollständigkeit angeht. Wenn du also die bestmögliche Route finden willst, solltest du diese ergänzend hinuziehen. Zudem können sie als Notfallkarten dienen, falls die digitale Technik plötzlich ihren Geist aufgibt.

Wirst du länger in einer bestimmten Region verweilen, gehe ins entsprechende Tourismusbüro. Dort bekommst du nicht nur aktuellstes Kartenmaterial, sondern erfährst auch etwas über eventuell interessante Sehenswürdigkeiten.

Radreise-Routenplanung: Weniger ist mehr

So wichtig eine gewisse Planung auch sein mag, so wichtig ist es auch, nicht zu viel zu planen. Unterschätze die Flexibilität nicht, die du brauchst. Und wenn auch nur, um abzuschalten. Es handelt sich schließlich um einen Urlaub. Investiere lieber mehr Zeit darin, mehr über Land und Leute zu erfahren, anstatt die beste Route zu finden, die es sowieso nicht gibt.

Checkliste zur Routenplanung

  1. Destination festlegen
  2. Reisedauer festlegen
  3. Brutto- und Netto-Tageskilometer ermitteln
  4. Route erstellen/finden
  5. Alternativstrecken überlegen
  6. Route unterwegs stets anpassen/variieren

 

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