Bikepacking auf Teneriffa – Teil 1: Eine unheimliche Begegnung

By | 11. Dezember 2015

Kaum angekommen verrät mein Smartphone mir, dass der letzte Bus vom Flughafen mir gerade vor der Nase weggefahren ist. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als die sechs Kilometer durch die stockfinstere Nacht zum Campingplatz zu laufen. Die staubigen Trampelpfade werden nur von meinem kleinen Knopflicht etwas erhellt. Daher achte ich eigentlich nur auf darauf, wo ich hintrete, bis ich zwei dunkle Gestalten entdecke, die langsam auf mich zukommen…

bikepacking-teneriffa

Gerade in den kalten und nassen Herbst- und Wintermonaten ist die Insel des ewigen Frühlings ein Magnet für Horden an Pauschalurlaubern, die auf die Kanaren flüchten. Dabei gibt es dort viel mehr zu erleben als einen sonnigen Strand im Winter. Neben dem milden Klima, der abwechslungsreichen Landschaft aus Berge und Meer war der günstige Flug (mit Ryanair 120 Euro hin und zurück) auf die Insel ein Grund,warum ich die Insel im Januar entdecken wollte.

Kurzum: Teneriffa hat also die besten Voraussetzungen für ein Abenteuer aus Wildcamping und Bikepacking mit Zelt und Fahrrad. Daher hat es mich im Januar 2015 dort hin verschlagen.

Mit dabei hatte ich nur einen kleine 30-Liter-Rucksack, einem Vaude Bike Alpin 30, der mit Zelt und sonstiger kompletter Ausrüstung nur knapp 10 Kilo hat. Minimale Kosten, maximales Erlebnis. Das ist stets mein Motto bei meinen Kurztripps. Denn mir geht’s nicht darum, so viel wie möglich auf dem Bike zu sitzen. Auch nicht darum, so viel Kilometer wie möglich zu schaufeln. Sondern so viel wie möglich zu erleben und zu sehen.

Bikepacking in Teneriffa: Wohin geht’s?

Fliege ich zum ersten Mal auf eine Insel, die ich noch nicht kenne, schaue ich sie mir natürlich zuerst in Google Earth an. Neben der reinen Kartendarstellung bekomme ich so auch einen Eindruck über die Topografie, also die Höhenunterschiede des Geländes.

Und die sind gewaltig auf Teneriffa: Der Vulkan in der Mitte der Insel, der Pico del Teide, ist ganze 3.718 Meter hoch! Im Gegensatz zu den Alpen und anderen Bergen auf dem Festland kann man hier vom Meeresspiegel aus loslaufen bzw. losradeln. Der Teide liegt inmitten einer Vulkanebene auf ca. 2000 Meter Höhe, die von einem Gebirgskamm umringt ist. Teide und Hochebene ragen aus den Wolken heraus, die wiederum einen grünen Ring aus einem verregneten, nebeligen Wald der Insel bescheren.

teide

Teide – der gewaltige Vulkan in der Inselmitte

Die Städte und vielen kleinen Dörfer befinden sich hauptsächlich darunter an der Küste. Ich freue mich darauf, alles zu entdecken. Und nicht nur im touristischen Süden am Strand herumzugammeln.

Ich möchte wenn möglich alles sehen auf der Insel. Ich habe daher folgende Gebiete im Uhrzeigersinn herum identifiziert:

  • Der touristische Südosten um Los Cristianos: der sonnige Strand ist zu genießen, ansonsten kann ich den aber meiden
  • Das Teno-Gebirge im Nordosten: Das Tal des kleine Dorfes Masca soll wunderschön sein.
  • Der Norden Teneriffas: Die Orte Puerto de la Cruz und La Orotava – bekannt von Humboldt
  • Las Lagunetas: der „Regenwald“ westlich vom Teide: Hier soll man gut wandern können.
  • Santa Cruz de Tenerife: In der Hauptstadt der Kanaren mit ihren 200.000 Einwohnern möchte ich auch mal gewesen sein
  • Anaga-Gebirge: Der Gebirgskamm im Osten der Insel, falls ich von Höhenmetern immer noch nicht genug habe. 😉

Welche Radroute auf Teneriffa nehmen?

Als reiner Reiseradler könnte man die Insel in wenigen Tagen umrunden. Die Höhenmeter sind aber nicht zu unterschätzen – auch wenn man sich in Küstennähe befindet. Kaum ist der Strand außer Sichtweite, wird es auch schon hügelig.

Im Gegensatz zu meinen großen Radreisen habe ich keine fixe Route vorgezeichnet, sondern mir nur überlegt, wohin ich wann fahren und wandern möchte. Deswegen nehme ich mir nichts anders vor, als im h, unten im Süden angefangen, um die Insel zu fahren. Die letzten Tage möchte ich dann ohne Fahrrad unterwegs sein, um hoch den Pico del Teide besteigen zu können.

Auf die Hochebene fährt ein Bus, von dort aus ginge noch ne Seilbahn hoch, sodass der Pauschaltourist in seinen Sandalen nur noch ca. 150 Meter hochsteigen müsste. Ich aber will die ganzen 3.718 Meter mit eigener Muskelkraft geschafft haben. So viel sei jetzt schon verraten: Ich werde es schaffen und mit dem Sonnenaufgang ein atemberaubendes Naturschauspiel erleben.

So, genug der Vorbereitung. Hier nun endlich der Reisebericht:

Ankunft Teneriffa

Noch freue ich mich, angekommen zu sein. Da weiß ich noch nicht, dass mir gleich das Herz in die Hose rutscht.

Ankunft mit Nachtwanderung und unheimlicher Begegnung

Wie alle Flieger vom europäischen Festland landet auch meiner der irischen Billig-Airline auf dem Südflughafen. Ich habe zuvor im Internet nach einem Radverleih im Südwesten der Insel gesucht und zwei gefunden. Einen mobilen Bringservice von einheimischen betrieben, der mir kein Rad ohne Hotelbuchung leihen wollte. Und einen deutschen, der entsprechend teurer gute Mountainbikes und Rennräder verleiht – mit Filiale im Ort El Médano, der nur wenige Kilometer vom Flughafen an der Küste liegt.

Da ich spät am Abend ankomme, habe ich nur vor, an der nächstbesten Stelle mein Zelt aufzuschlagen und am Morgen nach El Médano zu laufen und mit dem Rad linksherum meine Tour zu beginnen.

An Teneriffa angekommen genieße ich zunächst die warme Frühlingsluft draußen und freue mich an den Palmen. Ich habe schon lange keine mehr gesehen. Sie schaffen es, das Urlaubsgefühl in mir zu wecken, und mir wird bewusst, dass ich mich auf einer Insel vor Afrika befinde. Toll!

Vom Flughafen geht aber nur eine Straße zur Autobahn ab. Zu Fuß oder gar mit dem Rad kommt man hier offiziell nicht weg. Das sagte mir auch der Typ des pischen Radverleihs, der mir zum Flughafen deswegen keins hin liefern wollte. Ich entdecke aber auf der Wanderkarte meines Smartphones einige Trampelpfade. Es ist also sehr wohl möglich, nicht nur per Auto oder Bus direkt von dort zu starten. Ich laufe also los und versuche die kilometerlange Landebahn zu umrunden.

So alleine im dunkeln ist selbst mir etwas mulmig. Wohl auch, weil ich gerade circa Hundert Meter vor mir zwei Gestalten erkennen kann, die mir entgegen kommen.

Am liebsten würde ich einfach umdrehen und zurück laufen. Aber wie sähe das aus? So als würde ich fliehen vor den Gestalten.

Ich habe schon einige Berichte von Backpackern gelesen, die auf den Kanaren oder Balearen ausgeraubt wurden. Auch wenn ich mir zwar durch solche Geschichten keine Angst einjagen lasse, habe sie in genau solchen Momenten im Hinterkopf, bin übervorsichtig und auf alles gefasst.

Wir laufen aufeinander zu und die beiden bleiben direkt vor mir stehen.

– Weiter geht’s bald im zweiten Teil des Reiseberichts! –

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