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Radreise Japan Teil 2: Durch Berge und Reisfeldwüsten

Das war also Hokkaido. Die nördliche Insel Japans haben wir eigentlich nur zu einem Bruchteil bereist. Gerade mal einige hundert Kilometer am südwestlichen Zipfel haben wir davon gesehen. Aber hey, es geht uns ums Gefühl, dort gewesen zu sein und einen Eindruck hiervon mitgenommen zu haben. Außerdem können wir in unseren fünf Wochen nur ein paar der großen Inseln bereisen. Daher entscheiden wir uns für die Fähre von Hakodate nach Aomori. Aber zunächst gilt es das Hinterradproblem zu lösen und einen versierten Schrauber zu finden, der die Speiche flickt.

Im Hotel in Hakodate haben wir einige Fahrradläden in der Stadt ausfindig gemacht. Die gilt es, abzuklappern und dann die Fähre zum “Festland” zu nehmen. Einige der Radläden sind Ludolf-artige Messi-Werkstätten. In einer habe ich trotzdem nachgefragt, vielleicht findet sich zwischen den Rostlauben ein fähiger Schrauber. Mitten im Laden rufe ich “Konichiwa” und eine alte Frau taucht hinter einem der Metallhaufen auf. Ich habe wenig Hoffnung, hier Hilfe zu finden und habe recht. Trotzdem zeige ich ihr die fehlende Speiche im Hinterrad. Sie aber brabbelt irgendwas Japanisches und zeigt die Straße aufwärts. Ich solle mir wohl einen anderen Laden suchen. Der zweite Laden wirkt da schon etwas moderner. Zwar ebensowenig aufgeräumt, aber die Räder im Laden sind immerhin neu. Der Schrauber, etwa in meinem Alter, nimmt sich der Mission an und ich strahle. Wir können uns halbwegs verständigen, er kann immerhin einige Brocken Englisch. Er repariert mir in ca. zwei Stunden die Speiche, wir sind erleichtert!

Generell sind wir überrascht, wie wenig selbst die jungen Leute hier Englisch sprechen – von Hotelrezeptionisten abgesehen. Selbst in Restaurants reden die jungen Kellner kein Wort Englisch und wir kommen hier nur weiter, indem wir auf die bebilderte Speisekarte deuten. Teilweise sind selbst die Zahlen in japanischen Hieroglyphen, sodass wir weder genau wissen, was wir essen noch was es kosten wird.

Nun haben wir eines der drei(!) japanischen Alphabete sogar gelernt, was uns aber nichts bringt, da wir kaum Vokabeln können und die drei Alphabete gemischt verwendet werden. In vielen Supermärkten steht oft zum Glück manches auf Englisch zusätzlich und wir kommen unterwegs ganz gut zurecht. Kleine Märkte gibt es an fast jeder Straßenecke, sodass wir wenig mit der Verpflegung planen müssen und eigentlich immer gut versorgt sind. Es sind irgendwie überall immer die gleichen (ausländischen?) Discounter-Ketten; Lawson, Seven Eleven, Family Mart usw. Blöd nur, dass dort genauso wenig Englisch gesprochen wird und unsere gelernten Grüße á la Konichiwa, Konbanwa usw. keiner außer uns verwenden zu scheint. Ich tröste uns immer mit der Ausrede, dass man uns ja ansieht, dass wir Gaijins (=Ausländer) sind. Wir behelfen uns daher meistens mit einem freundlichen Lächeln und einer kümmerlichen Verbeugung, die hier jeder mit der Begrüßung macht. Wir sind außerdem in Regionen unterwegs, wo sich kaum Ausländer hinverirren. Erst recht nicht als Migranten, die 120 Mio. Japaner sind so ziemlich unter sich. In den ersten zwei Wochen haben wir lediglich einen einzigen Nicht-Asiaten gesehen. An sich haben wir die Japaner als höflich aber reserviert und knapp angebunden erlebt.

Selbst der Fahrradschrauber, der mein Hinterrad gerettet hat, verschwand nach dem Bezahlen ganz schnell ohne ein “Tschüss” in seinem Laden wieder. Wie auch immer, wir waren erstmal froh, wieder ohne Sorgen weiterradeln zu können, aber es stehen vier Stunden Fähre vor uns. An Bord kosten Sitzplätze extra und wir haben nur einfache Tickets für die Innenräume, die lediglich mit einem Fernseher und Teppich ausgestattet sind. Auf diesem gammeln etwa acht bis zehn Passagiere, inklusive uns. Ich liege auf dem Bauch und tippe den ersten Teil dieses Reiseberichts. Manche Japaner haben Decken dabei und können nachmittags auf dem harten Boden tief und fest schlafen bzw. schnarchen.

In Aomori angekommen regnet es pünktlich zur Ankunft aus Kübeln. Zum Glück haben wir schon wieder eine Hotelreservierung, da es schon spät ist und wir am Tag darauf Tausend Höhenmeter vor uns haben. Einige Berge haben wir schon auf Hokkaido erklommen, aber nun geht es richtig hoch ins Inland. Wir erhoffen uns eine schöne Landschaft und versuchen erst gar nicht, das bergige Binnenland zu umfahren. Wir haben leider nicht bedacht, dass ziemlich wenig Straßen der Route geteert sind und hin und wieder ein Schauer herunter kommt. Die meiste Zeit des ersten Tages auf Honshu verbringen wir daher schiebend. Tausend Höhenmeter, 35 Kilometer und circa sieben Stunden später kommen wir an einem Onsen (Thermalbad) im Gebirge an. Auf der Karte habe ich nur einige Häuser mit Laden und öffentlicher Toilette ausgemacht, was sich mindestens als Zwischenhalt eignen würde. Wir wussten daher nichts vom Onsen. Ich wäre so gerne im Warmen baden gegangen, gerade nach den Strapazen der Steigung und des Wetters, gerade weil meine komplette Kleidung durchgeweicht ist, vom Schweiß, Regen oder einfach nur beides. Aber Sophie hat sich nicht getraut, wir würden die Gepflogenheiten des japanischen Badens ja nicht kennen. Daher zelten wir nur am Campingplatz nebenan. Ich beschließe, abends alleine ins Bad zu gehen, aber leider hatte es um 18 Uhr zu. Also Katzenwäsche und Klamottenwechsel.

Das Wetter könnte die nächsten Tage kaum radelunfreundlicher sein. Eigentlich befinden wir uns noch immer im kühlen Norden Japans und haben derart tropische Zustände erst im Süden erwartet. Aber daheim in Deutschland hatte es auch schon länger über 30 Grad, warum sollte also der Klimawandel hier Halt machen. Zunächst geht es zwar den Kilometer an Höhe nur bergab. Aber im Flachland setzen uns die sackschwülen 30 Grad ziemlich zu. Erst recht, als es nicht mehr flach blieb, sondern immer wieder auf und nieder ging. Wir machen an jedem Supermarkt halt, nur um eine kühle Limo zu holen und ein paar Minuten im klimatisierten Raum zu sein. Zum Glück gibt es oft einige Stühle in den kleinen Märkten zum Verweilen. Schlimm ist dann nur wieder der Schritt hinaus. Das fühlte sich bei den schwülen 30+ Grad so an als würde man gegen eine Hitzewand laufen, die einem die Luft abschnürt.

Wir entscheiden uns daher, die Berge bestmöglich zu meiden und folgen nicht mehr der “Length of Japan”. Eine Radreiseroute quer durch Japan, wenn auch keine offizielle. Ursprünglich wollte ich diese entlangfahren, aber einerseits führt sie über unwirtliche unbefestigte Wege und andererseits mal eben 1.500 Höhenmeter hinauf und wieder hinunter. Mittlerweile vermute ich, dass sie von einem Masochisten erstellt worden sein muss. Nach unserem “Tausender” zum Anfang und wegen des Wetters planen wir, bis nach Morioka zu fahren, was wir nicht ganz schaffen und daher nördlich davon uns am Fuß des Mount Iwate an einem Campingplatz niederlassen. Der Iwate ist ein zweitausend Meter hoher Vulkankrater, der sich hinter den hellgrün leuchtenden Reisfeldern im Abendlicht beeindruckend erhebt. Wir haben einen kleinen Vorgeschmack auf den Fuji und können die beeindruckende Landschaft zur goldenen Abendstunde gar nicht so richtig genießen, da uns der harte Tag in den Knochen steckt und wir endlich ankommen wollen.

Morioka, die nächste Großstadt mit einer halben Mio. Einwohner, ist nur 35 km entfernt. Wegen den wenigen aber harten Tagen zuvor fahren wir auch nicht durch und gönnen uns dort schon wieder Hotel und Abendessen. Im Restaurant gibt es diesmal keine englische Speisekarte und natürlich keine englischsprachigen Kellner. Das Japanische hat zum Glück viele englische Lehenswörter, sodass man dort “Juisu” (Saft) und “Beeru” (Bier) versteht. Ansonsten tippen wir auf die Bilder und essen einfach, was gut aussieht. Wir konnten beim besten Willen nicht das Fleisch auf meinem Teller herausschmecken. Es war aber recht gut. Irgendwie schmeckt aber auch alles mit genug Sojasoße.

Wir sind im Landesinneren der Insel und nehmen uns vor, jedwede Steigung zu vermeiden. Bei den noch immer 30+ Grad sind die Hügel hier einfach eine unnötige Qual. Daher rauschen wir nach Morioka schnurstracks gen Süden. Tokyo ist das nächste Ziel im Blick und gut 500 Kilometer entfernt. Klingt gar nicht so weit. Ein Rennradler würde sowas in zwei bis drei Tagen runterreißen. Aber Hitze, Hügel und Stadtverkehr bremsen einen einfach gewaltig aus.

Außerdem kennen Japaner keine Radwege, bislang haben wir sowas noch nicht entdeckt. Dementsprechend schrecklich fahren auch die japanischen Radler, nämlich wo und wie sie wollen. Die meisten radeln auf dem Gehsteig, wo wir oft wegen enger Straße auch fahren. Dort scheint es kein Linksfahrgebot wie auf der Straße zu geben – man fährt einfach um die Fußgänger und anderen Radler herum. Selbst auf der Straße sind mir schon manche rechtsradelnde Kamikaze-Omis direkt(!) entgegen gekommen. Ich wusste einfach nicht, ob ich rechts oder links ausweichen soll. In vielen ländlichen Gegenden beläuft sich der Gehsteig auch auf einen halben Meter Seitenstreifen bis zur Haustür. Mir ist unklar, wie dort jemand das Haus verlassen kann, ohne einen der Kamikazeradler die Tür ans Hirn zu knallen. In solchen Fällen fahre ich daher konsequent auf der Straße, egal wie lang die Schlange hinter mir ist. Denn noch immer hupt niemand. Ich jedenfalls vermisse die deutsche dreisekündige Aufregerhupe nicht.

Statt der masochistischen “Length of Japan” fahren wir unendliche lange Landstraßen nach Süden. Links und rechts von uns ebensolche Reisfelder und auch Hügelketten, die uns davon abhalten, nach Westen oder Osten auszuscheren. Wir reißen erstmal Kilometer herunter und da die meisten Campingplätze in den Bergen liegen, muss ich Sophie dazu nötigen wildzucampen. Noch immer stört uns der recht kurze Sommertag. Ab sechs beginnt es zu dämmern, um sieben ist es schon stockdunkel. Heißt: Ab fünf Uhr denken wir daran, einen Supermarkt für etwas Abendbrot und Frühstück anzufahren um danach hinter dem Ort ein abgeschiedenes Plätzchen zu finden. Sophie hasst wildcampen, eher weil es sicherlich nicht ganz legal ist. Ich halte es für moralisch vertretbar, da wir den Platz wie vorgefunden (oder sauberer) hinterlassen. Eine Dusche aber haben meist selbst die bewirtschafteten Campingplätze hier nicht. Und mein Wassersack mit Duschaufsatz muss so oder so herhalten. Saubere Toiletten hat jeder Supermarkt.

Es ist eben etwas stressig, den perfekten Wildcampingplatz zu finden – etwas versteckt, flach und idealerweise am Wasser ohne Mücken. Letzteres ist beides leider untrennbar. Wir fahren also in die Reisfelder und hoffen am Rand hinter einem Busch eine flache Stelle an einem Fluss zu finden. Nach etwas Suchen schaffen wir das auch an einem kleinen Wasserfall. Optimal: So können wir zur Dämmerung noch etwas Baden gehen. Es nerven nur dicke Bremsen, die richtig fies beißen, wie wir feststellen werden. Sie sehen aus wie übergroße Stubenfliegen, wofür wie sie erst auch halten. Nachdem die uns dicke zwicken, wünschen wir uns die gemeine Stechmücke fast zurück. Schnell zum Ufer und im kalten Fluss baden. Welch eine Wohltat nach den endlosen schwülen 30+ Grad. Selbst nachts kühlt es nicht richtig ab, sodass man nach dem Frischebad direkt wieder schwitzt – es ist zum Verzweifeln, die Hitze! Die Schlafsäcke haben wir schon seit Tagen nicht mehr ausgepackt, wir schlafen meist nur mit bzw. auf unseren dünnen Handtüchern im Zelt, dessen Außenwände wir gleich offen lassen.

“Da steht ein Mensch!”, flüstert Sophie früh um 7 und zeigt aus dem Zelt. Tatsächlich, früh am Morgen sind hier Angler am Wasserfall, die uns aber zum Glück ignorieren. Wir machen erstmal die Zeltwände zu und packen gleich nach ihrem Schreck zusammen. Zum Schlafen ist es eh schon zu warm und zu hell und wer weiß, wie viele Angler hier noch kommen werden – es wurden noch einige.

Sophie hat kein Bock auf noch eine Nacht wildcampen und die Hotels hier in der Pampa sind uns zu teuer. Wir entscheiden uns für einen der Campingplätze in den Bergen. Unbewirtschaftet, daher sind wir unter der Woche sicherlich auch alleine. Wir haben nur die 300 Höhenmeter auf ca. 3 km verteilt etwas unterschätzt, daher schieben wir zum Schluss erschöpft knapp eine Stunde den Berg hoch. Es ist längst dunkel und schiebend sind wir den Mücken schweißtriefend hoffnungslos ausgesetzt. Zunächst folgen die gegenseitigen Vorwürfe: “Hättest du das mit deiner Karte nicht wissen müssen?” “Hättest du nicht so viel Pause gebraucht/Wärst du schneller geradelt”. Schnell merken wir, dass uns das gegenseitige Ankeifen nicht gut gut, wir verfluchen also die Mücken und wiedermal das Wetter. Denn es fing zu allem Überfluss auch noch das Tröpfeln an – natürlich ohne abzukühlen. Das war mir egal, durchgenässt war ich vom Schieben sowieso. Oben angekommen finden wir den perfekten Campingplatz vor, der uns für die anstrengende letzte Stunde entlohnt: Fließend Wasser, eine überdachte Sitzgruppe, absolute Einsamkeit und ein selbst bei Nacht traumhafter Blick ins Tal. Wir nutzen erst mal den Wassersack als Dusche ausgiebig und können sauber in trockenen Klamotten unsere Nudelsuppe genießen. Wir schlafen die Nacht wie Babys – trotz andauerndem Regen am Morgen.

Regen ist noch untertrieben, es schüttet in Kübeln und hört den ganzen Vormittag auch keine Minute auf. Zunächst liegen wir im Zelt und warten darauf, bis unser Zeltboden zu schwimmen scheint und an einigen Stellen auch schon durchgeweicht ist. Laut Wettervorhersage soll es auch den Tag nicht besser werden und wir überlegen, was wir tun. Als es bereits Mittag wird, beschließen wir, dass es keinen Sinn ergibt, an dem Tag uns und sicherlich die Hälfte unseres Gepäcks noch einige Kilometer durchweichen zu lassen und werden den Regen hier aussitzen.

Nach zwölf Stunden im Zelt trauen wir uns schließlich, es zu verlassen, um immerhin unter die trockene Sitzgruppe zu fliehen und das Zelt unter einen Baum aufzustellen, wo der Boden nicht ganz so schwimmt. Zusätzlich spannen wir Wäscheleinen und das Tarp übers Zelt. Kaum hängt das, wird der Regen auch schon weniger und nachmittags reißen sogar die Wolken auf. Es ist ein entspannter Pausetag und wir kümmern uns ausgiebig um unser Gepäck und pflegen die Räder etwas. Die Ruhe wird nur gegen Mitternacht gestört, als uns acht junge Mountainbiker erschrecken, die hier etwas spät ebenfalls übernachten wollen. Wir reisen deshalb früh ab und radeln weiter die Reisfelder gen Süden.

Reisfeldwüste

Sendai heißt eine nächstgrößere Stadt, die wir am Abend erreichen. Im Norden finden wir nur den Zeltplatz nicht, der laut Karte an der Stelle sein sollte. Das zwingt uns entnervt zum Wildcampen, was aber an einem Parkplatz nicht allzu unpraktisch war.

Am Tag darauf in Sendai war aber bei uns die Luft raus. Wir waren beide gelangweilt von der Reise, haben bis auf einige Schreine hier und da nur wenig Attraktives gesehen und hangeln uns zwischen den Reisfelder eigentlich nur zwischen Supermärkten und Campingplätzen. Wir sind deprimiert, wenn wir daran denken, dass sich das fast eine Woche bis nach Tokyo auch kaum ändern würde. Nach langem Hin- und herüberlegen beschließen wir schließlich, von Sendai bis an den Norden der Hauptstadt mit dem Zug zu fahren. Auf den endlosen Stadtverkehr von Tokyo selbst haben wir keine Lust, deswegen fahren wir nicht ganz rein.

Ganz einfach ist die Zug-Abkürzung aber nicht. Im japanischen ICE, den sogenannten Shinkansen dürfen Räder verpackt mitgenommen werden. Wir zerlegen sie also in der Hitze wieder aufwändig und schleppen sie mühevoll zum Bahnsteig. Am Flughafen war das dank Gepäckwagen deutlich einfacher. In nur eineinhalb Stunden Schnellzug überspringen wir mal eben fast eine Woche. An der Omiya Station im Norden Tokios Räder wieder zusammenschrauben und die restlichen acht Kilometer zum Hotel nachts gar radeln. Ich wünsche mit an diesem Tag ein Klapprad …

Wir freuen uns jetzt auf den Fuji und den Südstrand. Die Strecke nach Kyoto aber heben wir uns für den nächsten Teil auf, der nicht so lange auf sich warten lässt wie dieser hier – versprochen!

Radreise Japan Teil 1: Hokkaido mit Hindernissen

Dass alles glatt läuft, haben wir ja gar nicht erwartet. Uns war ja klar, dass gewisse unvorhersehbare Hindernisse auf uns zukommen werden. Und damit sind nicht die vielen Steigungen schon von Beginn an gemeint. Wir sind beide das erste Mal in Asien, Sprache und erst recht Schrift sind uns fremd – und unser Japanischkurs war nahezu nutzlos. All das war uns schon vor dem Start klar. Auch, dass die Fahrräder Schäden haben können, wenn wir sie um den halben Erdball nehmen. Das Abenteuer aber ist vielmehr das Managen der Pannen, das Finden einer radelbaren Route oder die Suche nach einen Supermarkt. Wenigstens am Anfang könnte alles glatt laufen, haben wir gehofft. Aber wenn wir eine einfache Reise gewollt hätten, hätten wir nur die Donau herunterradeln sollen.

Die Ankunft: Spaziergang statt Losradeln

Jeder erfahrene Reiseradler hätte uns für dämlich erklärt, die Räder, wenn auch mit Luftfolie gepolstert, mitsamt etwas Gepäck einfach in zwei leichten Rennradtaschen nach Japan mitzunehmen. Das war einfach nötig, da wir die 500 Gramm leichten Radtaschen mitnehmen müssen, um sie wieder für den Rückflug in Fukuoka im Süden verwenden zu können. Tatsächlich gibt es keinen Königsweg, das Rad richtig für den Flieger zu verpacken. Ein Hartschalenkoffer ist unpraktisch für Reiseradler, das Rad unverpackt einzuchecken auf Langstreckenflüge nicht erlaubt. Mit letzterer Methode bin ich bisher immer gut gefahren bzw. geflogen.

Die Räder am Chitose Airport auf der Nordinsel Hokkaido ausgepackt und siehe da: keine Schäden! Alles blieb heile. Das haben wir wirklich nicht erwartet. Die Taschen haben einige Löcher und die Trageschlaufen sind gerissen, aber das ist nicht so schlimm. Hauptsache, die Räder leben! Zusammengeschraubt, aufgepumpt und losgeradelt! Zumindest einige Hundert Meter lang, bis Sophies hinterreifen mal eben mit einem lauten Knall platzt. Kein Problem, der Schlauch ist schnell geflickt. Als wären wir darauf nicht vorbereitet gewesen! Aber keine zehn Meter platzt er nochmal. Ich habe übersehen, dass die Seitenwand des nagelneuen Mantels gerissen ist. Ganz toll! Der lässt sich nicht flicken. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als vom Flughafen in die Stadt nach Chitose zu schieben. Was für ein Start!

Wir sind am frühen nachmittag gelandet, haben 18 Stunden Flug inklusive Jetlag in den Knochen und irren irgendwelche Seitenstraßen entlang. Kommt noch dazu, dass die eigentlich zuverlässige Karte auf meinem Smartphone uns in Sackgassen lotst und wir deprimiert, fluchend und innerlich kotzend umdrehen müssen.

Es war also schon längst dunkel, als wir am Hotel ankommen, dass wir uns gegönnt haben, um erst mal richtig auszuschlafen. Trotz des guten Services von China Airlines an Bord und drei Mahlzeiten innerhalb der 18 Stunden haben wir einen Riesenhunger, fallen aber im Bett todmüde in ein zwölfstündiges Schlafkoma.

Chitose ist zum Glück kein Dorf, es gibt hier einige Radläden, wo ich eben einen Mantel samt Schlauch kaufe, während Sophie vor dem Hotel wartet und sich von neugierigen Japanern fotografieren lässt. Wir waren scheinbar die einzigen Europäer in der Stadt. Im Flug von Taipeh nach Sapporo/Chitose waren wir schon die einzigen Nicht-Asiaten und am Flughafen sind neben uns ausschließlich Chinesen als Touristen eingereist. Hierhin verirrt sich also kaum ein Europäer, schon gar nicht mit dem Fahrrad.

Es geht endlich los, nur wohin?!

24 Stunden nach Landung kann es also von Chitose aus also endlich losgehen. Hier auf Hokkaido sind es nur wenige Hundert Kilometer bis zur Fährfahrt nach Honshu, der „Hauptinsel“ auf der alle großen Metropolen liegen. Schon in der Vorbereitung ist mir aufgefallen, dass es hier keine Radwege gibt. Wir haben also die Wahl zwischen unbefestigten hügeligen Wegen und engen, vielbefahrener Hauptstraße. Wenn überhaupt. Oft gibt es keine Alternative zur Straße. Wir entscheiden uns für den ersten Tag für die Seitenstraßen – also eher Waldwege. Die lassen sich auch anfangs gut fahren und auch das Wetter ist perfekt, leicht bewölkt bei angenehmen 20 Grad, während Deutschland noch immer ein einziger 30-Plus-Backofen ist. Mit den Seitenstraßen erweist sich aber unsere Karte wieder als etwas unzuverlässig und lotst uns in das ein oder andere Gestrüpp und zwingt uns mal wieder zum Umkehren. Weit kommen wir daher am ersten Tag nicht und schaffen die ca. 70 Kilometer auch nur, weil wir gegen Nachmittag den Südstrand erreicht haben und konsequent die enge Hauptstraße entlang gefahren sind. Trotz LKWs und engen Seitenstreifen ist das weniger schlimm als gedacht. Die Japaner fahren äußerst rücksichtsvoll und wir nehmen an, dass deren Autos gar keine Hupe haben. Was die Japaner aber auch nicht haben, sind Radwege. In den kleinen Städten fahren die wenigen Radler auf ihren rostigen, klapprigen Rädern einfach auf dem Gehsteig, was wir wegen viel Verkehr oft auch machen. Die ganzen Schlaglöcher und anderen Unebenheiten zerren aber an den Nerven. Daher streiten wir hin und wieder darüber, wo wir fahren sollen. Sophie will so wenig wie möglich auf die Straße, mir aber schmerzen die Hände wegen dem Gerüttel.

Hier in Japan wird es schnell dunkel, was wir am ersten Radeltag nicht bedacht haben. Außerdem war der erste von uns angefahrene Campingplatz geschlossen. Bleibt also nur das Wildcampen, was für mich kein Problem ist, für Sophie schon eher. Am Waldrand sind wir hoffnungslos den Mücken ausgesetzt. Ich habe den Tanz des schnellen Zeltaufbaus schon in Norwegen perfektioniert und Sophie schnell instruiert. Rein ins Innenzelt und am besten nie mehr raus. Katzenwäsche für eine Nacht ist mit Feuchttüchern auch mal okay, ansonsten warten ja am nächsten Tag Meer und die Bäder, sog. Onsen, auf uns.

Am Südzipfel von Hokkaido müssen wir eine Bucht entgegen des Uhrzeigers umfahren. Am Nordstrand wartet die enge Hauptstraße, viele Steigungen und noch schlimmer: zahlreiche Tunnel auf uns. Die Tunnel sind teilweise so eng, dass kein Überholen der Autos bei Gegenverkehr möglich ist. Jedes Mal, wenn ein LKW von hinten angebraust kommt, beten wir, dass er uns sieht. Ich winke trotz Rücklicht schon wild, wenn ich einen höre. Zum Glück sieht uns jeder rechtzeitig und wartet geduldig. Schweißgebadet stoppt Sophie stets am Ende jeden Tunnels. Ich versuche zu beruhigen und rede von den rücksichtsvollen Autofahrern. Uns entgegnen hier auch die ersten Reiseradler. Witzigerweise Japaner auf Rennrädern ohne Taschen, aber mit großem Trekkingrucksack auf dem Rücken.

Der zweite Tag endet an einem unbewirtschafteten, freien Campingplatz auf einem Kap mit Rundumblick zu Meer und Strand. Es gibt fließend Wasser, ein Segen, und sogar Plumpsklos. Leider beherrsche ich das Geschäft in der Hocke nicht. Generell ist jede japanische Toilette an sich ein Traum. Stets elektrisch beheizt, mit Bedée und Sitzdesinfektion – ausnahmslos. Außerdem in jedem Supermarkt oder Tankstelle zu finden. Außer einem Motorradtourer sind wir die einzigen am Platz. Als wir früh aufwachen, war er auch schon weg, sodass wir draußen mit dem praktischen Wassersack draußen duschen konnten. Uns fehlt es also an nichts.

Tag drei und vorletzter Tag auf der Nordinsel Hokkaido beginnt wieder mit einer Panne. Eine Speiche am Hinterrad ist gerissen, natürlich auf Flaschseite, sodass sie nicht einfach auszutauschen ist. Ersatzspeichen habe ich dabei, da ich auf Touren mehr Speichenrisse als Platten habe, warum auch immer. Ich kann den Achter im Hinterrad dank Laufradbaukurs etwas auspegeln, der Kloß im Magen bleibt aber, da das nach Rahmenbruch fast die schlimmste aller Pannen ist. Ich fahre zwar vorerst weiter, das Hinterrad kann mir aber jederzeit um die Ohren fliegen. Unser Ziel Hakodate ist noch zwei Tagesetappen und etliche Höhenmeter entfernt. Dort gibt es sicherlich einen Radladen. Aber ob der mir das Laufrad flicken kann? Oft müssen mehrere Speichen gewechselt werden, da auch die angrenzenden einen „Hau“ weg haben. In Norwegen hatte ich dasselbe Problem und ich musste das ganze Laufrad für teuer Geld austauschen. Außerdem war mein jetziges Laufrad schon ein gutes und ich habe diesmal daran nicht gespart. Nabe und Felge waren noch gut. Die im schlimmsten Fall einfach wegzuschmeißen, lässt nicht nur den kleinen Ökonazi in mir weinen.

Ich bremse also bergab immer ordentlich und schaue nach jedem Schlagloch und jedem Stein besorgt aufs Hinterrad. Wir kommen zum Glück unbeschadet nach Hakodate, wo wir uns nach nur drei Zeltnächten schon wieder ein Hotel und ein deftiges Abendessen mit Sushi, Fleisch und Nudeln gönnen. Für den fünften Tag in Japan steht nur auf dem Plan, in der Stadt einen Radladen für das Hinterrad zu finden und anschließend mit der Fähre vier Stunden lang aufs Festland bzw. auf die Hauptinsel überzusetzen. Wir beide merken die vielen Kilometer, Höhenmeter und Zeltnächte in den Knochen. Das ist uns aber klar, weil wir partout nichts für die Reise trainiert haben. Abgesehen davon sind wir sowieso keine Sportskanonen. Zehn Stunden haben wir gut geschlafen, jetzt beten wir, dass ein japanischer Schrauber sich erbarmt, das Hinterradproblem lösen zu können.

Bikepacking auf Teneriffa – Eine unheimliche Begegnung

Kaum angekommen verrät mein Smartphone mir, dass der letzte Bus vom Flughafen mir gerade vor der Nase weggefahren ist. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als die sechs Kilometer durch die stockfinstere Nacht zum Campingplatz zu laufen. Die staubigen Trampelpfade werden nur von meinem kleinen Knopflicht etwas erhellt. Daher achte ich eigentlich nur auf darauf, wo ich hintrete, bis ich zwei dunkle Gestalten entdecke, die langsam auf mich zukommen…

bikepacking-teneriffa

Gerade in den kalten und nassen Herbst- und Wintermonaten ist die Insel des ewigen Frühlings ein Magnet für Horden an Pauschalurlaubern, die auf die Kanaren flüchten. Dabei gibt es dort viel mehr zu erleben als einen sonnigen Strand im Winter. Neben dem milden Klima, der abwechslungsreichen Landschaft aus Berge und Meer war der günstige Flug (mit Ryanair 120 Euro hin und zurück) auf die Insel ein Grund,warum ich die Insel im Januar entdecken wollte.

Kurzum: Teneriffa hat also die besten Voraussetzungen für ein Abenteuer aus Wildcamping und Bikepacking mit Zelt und Fahrrad. Daher hat es mich im Januar 2015 dort hin verschlagen.

Mit dabei hatte ich nur einen kleine 30-Liter-Rucksack, einem Vaude Bike Alpin 30, der mit Zelt und sonstiger kompletter Ausrüstung nur knapp 10 Kilo hat. Minimale Kosten, maximales Erlebnis. Das ist stets mein Motto bei meinen Kurztripps. Denn mir geht’s nicht darum, so viel wie möglich auf dem Bike zu sitzen. Auch nicht darum, so viel Kilometer wie möglich zu schaufeln. Sondern so viel wie möglich zu erleben und zu sehen.

Bikepacking in Teneriffa: Wohin geht’s?

Fliege ich zum ersten Mal auf eine Insel, die ich noch nicht kenne, schaue ich sie mir natürlich zuerst in Google Earth an. Neben der reinen Kartendarstellung bekomme ich so auch einen Eindruck über die Topografie, also die Höhenunterschiede des Geländes.

Und die sind gewaltig auf Teneriffa: Der Vulkan in der Mitte der Insel, der Pico del Teide, ist ganze 3.718 Meter hoch! Im Gegensatz zu den Alpen und anderen Bergen auf dem Festland kann man hier vom Meeresspiegel aus loslaufen bzw. losradeln. Der Teide liegt inmitten einer Vulkanebene auf ca. 2000 Meter Höhe, die von einem Gebirgskamm umringt ist. Teide und Hochebene ragen aus den Wolken heraus, die wiederum einen grünen Ring aus einem verregneten, nebeligen Wald der Insel bescheren.

teide

Teide – der gewaltige Vulkan in der Inselmitte

Die Städte und vielen kleinen Dörfer befinden sich hauptsächlich darunter an der Küste. Ich freue mich darauf, alles zu entdecken. Und nicht nur im touristischen Süden am Strand herumzugammeln.

Ich möchte wenn möglich alles sehen auf der Insel. Ich habe daher folgende Gebiete im Uhrzeigersinn herum identifiziert:

  • Der touristische Südosten um Los Cristianos: der sonnige Strand ist zu genießen, ansonsten kann ich den aber meiden
  • Das Teno-Gebirge im Nordosten: Das Tal des kleine Dorfes Masca soll wunderschön sein.
  • Der Norden Teneriffas: Die Orte Puerto de la Cruz und La Orotava – bekannt von Humboldt
  • Las Lagunetas: der „Regenwald“ westlich vom Teide: Hier soll man gut wandern können.
  • Santa Cruz de Tenerife: In der Hauptstadt der Kanaren mit ihren 200.000 Einwohnern möchte ich auch mal gewesen sein
  • Anaga-Gebirge: Der Gebirgskamm im Osten der Insel, falls ich von Höhenmetern immer noch nicht genug habe. 😉

Welche Radroute auf Teneriffa nehmen?

Als reiner Reiseradler könnte man die Insel in wenigen Tagen umrunden. Die Höhenmeter sind aber nicht zu unterschätzen – auch wenn man sich in Küstennähe befindet. Kaum ist der Strand außer Sichtweite, wird es auch schon hügelig.

Im Gegensatz zu meinen großen Radreisen habe ich keine fixe Route vorgezeichnet, sondern mir nur überlegt, wohin ich wann fahren und wandern möchte. Deswegen nehme ich mir nichts anders vor, als im h, unten im Süden angefangen, um die Insel zu fahren. Die letzten Tage möchte ich dann ohne Fahrrad unterwegs sein, um hoch den Pico del Teide besteigen zu können.

Auf die Hochebene fährt ein Bus, von dort aus ginge noch ne Seilbahn hoch, sodass der Pauschaltourist in seinen Sandalen nur noch ca. 150 Meter hochsteigen müsste. Ich aber will die ganzen 3.718 Meter mit eigener Muskelkraft geschafft haben. So viel sei jetzt schon verraten: Ich werde es schaffen und mit dem Sonnenaufgang ein atemberaubendes Naturschauspiel erleben.

So, genug der Vorbereitung. Hier nun endlich der Reisebericht:

Ankunft Teneriffa

Noch freue ich mich, angekommen zu sein. Da weiß ich noch nicht, dass mir gleich das Herz in die Hose rutscht.

Ankunft mit Nachtwanderung und unheimlicher Begegnung

Wie alle Flieger vom europäischen Festland landet auch meiner der irischen Billig-Airline auf dem Südflughafen. Ich habe zuvor im Internet nach einem Radverleih im Südwesten der Insel gesucht und zwei gefunden. Einen mobilen Bringservice von einheimischen betrieben, der mir kein Rad ohne Hotelbuchung leihen wollte. Und einen deutschen, der entsprechend teurer gute Mountainbikes und Rennräder verleiht – mit Filiale im Ort El Médano, der nur wenige Kilometer vom Flughafen an der Küste liegt.

Da ich spät am Abend ankomme, habe ich nur vor, an der nächstbesten Stelle mein Zelt aufzuschlagen und am Morgen nach El Médano zu laufen und mit dem Rad linksherum meine Tour zu beginnen.

An Teneriffa angekommen genieße ich zunächst die warme Frühlingsluft draußen und freue mich an den Palmen. Ich habe schon lange keine mehr gesehen. Sie schaffen es, das Urlaubsgefühl in mir zu wecken, und mir wird bewusst, dass ich mich auf einer Insel vor Afrika befinde. Toll!

Vom Flughafen geht aber nur eine Straße zur Autobahn ab. Zu Fuß oder gar mit dem Rad kommt man hier offiziell nicht weg. Das sagte mir auch der Typ des pischen Radverleihs, der mir zum Flughafen deswegen keins hin liefern wollte. Ich entdecke aber auf der Wanderkarte meines Smartphones einige Trampelpfade. Es ist also sehr wohl möglich, nicht nur per Auto oder Bus direkt von dort zu starten. Ich laufe also los und versuche die kilometerlange Landebahn zu umrunden.

So alleine im dunkeln ist selbst mir etwas mulmig. Wohl auch, weil ich gerade circa Hundert Meter vor mir zwei Gestalten erkennen kann, die mir entgegen kommen.

Am liebsten würde ich einfach umdrehen und zurück laufen. Aber wie sähe das aus? So als würde ich fliehen vor den Gestalten.

Ich habe schon einige Berichte von Backpackern gelesen, die auf den Kanaren oder Balearen ausgeraubt wurden. Auch wenn ich mir zwar durch solche Geschichten keine Angst einjagen lasse, habe sie in genau solchen Momenten im Hinterkopf, bin übervorsichtig und auf alles gefasst.

Wir laufen aufeinander zu und die beiden bleiben direkt vor mir stehen.

Radreise durch Afrika: zwischen Giraffen, Nilpferden und Zebras

In Afrika sind bestimmt die wenigsten und auch nur die erfahrendsten Reiseradler unterwegs. Auf keinem anderen Kontinten sind kulturelle und soziale Unterschiede größer, weswegen die Radreise durch Afrika eine besondere Herausforderung ist und daher Radreiseberichte umso interessanter sind. Das wird der folgende von Anselm beweisen.

Anselm war schon überall. Seine Videos über die Reisen durch Europa und Kanada entfachen das Fernweh eines jeden Radlers auf dem Sofa. Später fuhr er einen Teil mit Felix Starck von „pedal the world“ durch Asien, worüber ich schon geschrieben habe. Anschließend war er mit den beiden Jungs von Tapinambur unterwegs. Daher war es jetzt nu logisch, Anselm nun in Afrika zu finden. Es ist quasi das nächste Level, das er nun bestreitet bzw. erradelt.

Neben seinen tollen Videos macht der Hamburger fantastische Fotos. Er hat leider keine eigene Website, sodass wir uns bislang damit zufrieden geben mussten. Reiseberichte schreibt er nämlich nur per Mail an Familie und Freunde. Ich fühle mich daher geehrt, dass ich seine Eindrücke und Erlebnisse in Afrika hier als Gastbeitrag veröffentlichen darf. Bühne frei für Anselms tollen Reisebericht:

Radreise Afrika 1

Wenn man in Europa eine Landesgrenze überquert ändert sich oft nicht besonders viel. Bisweilen bemerkt man den Übergang nicht einmal. Diese Erfahrung ist in Afrika meist eine ganz andere. Es fängt damit an, dass man sich lange und freundlich mit einem Grenzpreamten unterhält, der sich offensichtlich überrascht für das Reisen auf dem Fahrrad und die resultierenden Erfahrungen interessiert. Und auch dann erst den Ausreiestempel gibt, wenn er alles spannende erfährt.

Die Grenzüberquerung von Malawi, in dem ich knapp einem Monate gereist bin, nach Tansania war besonders. Um zum Lake Tanganyika, dem längsten See der Welt auf Tansanischer Seite zu gelangen, wollte ich gerne eine Abkürzung wagen. Diese führt hoch in die Berge, dort habe ich auf Google Earth einen kleinen roten Pfad im Satellitenbild ausmachen können. Auf beiden Seiten einer Brücke zudem zwei kleine Hütten. Keine Informationensquelle bestätigte mir eine offene Grenze für Touristen. Wer wagt gewinnt. Nach mühseligen Ausstieg auf 1900 Meter kam ich an einer der beiden Hütten vorbei und nach besagtem Gespräch ging es über eine witzige Brücke, im Dauerregen nach Tansania. Es wurde hier angeblich Jahre lang kein Wuzzuzu (weißer Mann ) mehr gesehen.

Von Malawi nach Tansania: Alles ist nun anders

Was ändert sich also: Plötzlich kann man die geliebten Avocados à 15 Cent (200 Tansania-Schilling) kaufen, aber keiner versteht einen mehr. Die gerade erst erlernten Sätze in Chichewa sind plötzlich nutzlos. Frauen tragen noch bunter Kleider, die ersten Massai kreuzen mit ihren Herden den Weg. Es ist viel grün, da in Tansania gerade Regenzeit vorüber ist, blüht das Land. Menschen grüßen einen mit neuen Worten: Mambo, (Wie geht’s dir) Karibo (Willkommen), Asante (Danke).

Aber auch der schöne Asphalt ist größtenteils verschwunden, das Land weniger besiedelt und Wasserpumpen fehlen gar komplett. Sprich: In Afrika ist eine Grenze auch gleich eine ordentliche Umstellung, auch im Wechselkurs von Malawi Kwatcha(600 zu 1 €) zu Schilling (2000).

Über mehrere Tage ging es gen Norden, sattes Grün säumt den typisch rostig roten Sandpfad. Blauer Himmel und wie gewohnt überall liebe Kinder. Glückliche Kinder! Ab und zu ein Schauer, morgens Nebel über den Gipfel der sanft runden Hügel im Hochgland. Wildcampen mit Avocado-Tomaten-Kokosnuss-Gerichten und dazu salziges Popkorn.

Andere auf der Radreise durch Afrika

Ich treffe Peter aus England, selber schon oft unterwegs und seit 2 Jahren Lehrer in Tansania, er sprich perfekt Swaheli was für die Verständigung sehr praktisch ist.

Zusammen fahren wir durch das einsame Hochland West Tansanias. Die älteste Fähre der Welt, die MV Liemba, ehemals deutsches Kriegsschiff, ist dieser Tage zu alt um uns ein Stück entlang des Sees zu nehmen, in Reparatur. Wir ändern unsere Pläne und nehmen uns vor die gesamte Länge (über 900 km) des Tanganyika, der Kongo und Tansania trennt zu radln. Auf halber Strecke liegt der Kavati Nationalpark.

Es ist Silvester. Kaum einer hat das hier besonders auf dem Zettel, keine Knaller, kein Sekt, auch kein Bleigießen. Die Nacht in den Bergen ist wie jede andere. Wir verschlafen Mitternacht. Und dennoch sind wir am nächsten Morgen nervös. Türkisch-Kaffee – und auf die Räder.

Am Neujahrstag haben wir großes vor, und ich bin mir sicher, es ist einer der aufregendeste Tage die ich je erlebt habe. Der große Katavi Nationalpark, gegründet von Deutschen im Jahre 1918, liegt so verlassen und einsam, dass er jährlich nur um die 200 Besucher anlockt. Verglichen dazu zählt die Serangetiebene Millionen Schaulustige. Die Anfahrt ist mühsam, besonders für uns. Es dauert ewig bis wir zum Parkeingang kommen. Der Weg ist so „bumpy“ das sich drei meiner Speichen zum Brechen biegen und das Trettlager seine Funktionalität aufgibt. Wir fahren dennoch in den Park.

Radreise Afrika 2

Es ist kein Mensch hier. Kein Gate, kein Schild, ungewöhnlich für einen Nationalpark. Einzig die Spuren von Büffel und Elefanten am Weg und unzählige bunte Schmetterling begrüßen uns. Es ist ein einsamer Pfad der uns durch dichtes feuchtes Grün führt. Man sieht Anfangs nur tropischen Wald und lange Gräser zu beiden Seiten. Wir radeln tiefer in den Park, schauen ständig ob sich etwas bewegt oder lauschen in die Ferne. Nach  20 km treffen wir auf eine Abzweigung zu einem leicht gefüllten Flussbett.

Urplötzlich ändert sich die Situation

Keine 100 Meter vor uns stehen sechs riesige Giraffen um Molibäume herum die mindestens so verdutzt sind wie wir. Umzingelt von kleinen Affen und Gazellen. Ein wunderschönes Bild. Wir sind beeindruckt, ich mache ein zwei Fotos und fahre auf die Tiere zu. Für einen Moment bleiben sie stehen, dann laufen Giraffen und Gazellen auf eine weite Fläche, zum Fluss, hier ein Film dazu: https://vimeo.com/115854847 (Affen sieht man wohl nicht da sie mitteile im Baum hocken).

Ein faszinierendes Bild, wenn Giraffen rennen, erscheinen sie doch viel zu lang. Wir sind voller Drang, mehr davon zu entdecken. Wir wissen zwar, dass man hier schon längst kein Rad mehr fahren sollte, aber es ist keiner da und Verbotschilder sind wohl schon längst überwuchert.

Die gefährlisten Tiere Afrikas

Zwei Minuten später sehen wir zwei dicke Nilpferde. Von Erzählungen wissen wir, dass es die gefährlichsten Tiere Afrikas sind und nehmen weit Abstand. Krokodil lugen aus dem braunen Flusswasser.

Hinter der nächsten Biegung steht plötzlich ein Büffel, alleine. Peter fällt fast von Fahrrad, weil wir ihn viel zu spät bemerkten. Der Büffel hält seine Schnauze in die Luft, wir schauen uns an und wissen nicht was das Klügste ist. Der Büffel löst die Situation auf und läuft erst parallel zu uns und dreht dann ab. Ein wuchtiges Tier!

Direkt neben uns entdecken wir zwei große Aasgeier, mit kräftigen Flügelschlägen heben sie ab und Umkreis ihre Beute, ein Haufen Knochen, wohl der einer Giraffen. 200 Löwen und 700 Hyänen jagen hier, wie wir später erfahren. Zudem beherbergt der Park über 5000 Elefanten, die sich zu dieser Zeit zu den größten Herden von ganz Afrika (bis zu 500) zum Grasen versammeln.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl was ich so noch nie erlebt habe, mit einem plötzlich so kleinen Fahrrad durch den Park zu kurven. Der Anblick vom Grün und das Wildnisgefühl allein ist die Anreise Wert.

Radreise Afrika 3

Wir passieren weiter Giraffen- und Zebraherden, sehen über 100 Nilpferde, die sich im Fluss vor der Mittagshitze schützen. Dann stehen wir direkt neben ihnen und schauen diesen so beeindruckenden Tieren in ihre kleine Augen.

Wir entdecken einen kleinen Weg, der zu einem See, dem Chata Lake führen soll und hoffen dort Elefanten zu Sichten. Aber es kommt anders:er Pfad ist anfangs überschwemmt, also schieben wird durch den Sumpf, dann rennt wie aus dem Nichts eine große Herde Gazellen über den Weg. Das letzte Tier, etwas verspätet, springt direkt vor Peter geschätzte 7 Meter über den Trampelpfad. Durch Zufall habe ich es auf Video.

Wenig später springen ein paar weiter, größere Böcke über den Weg, ihr Name ist uns noch unbekannt.
Und dann steht da plötzlich ein einzelnen großes Nilpferd, links von uns und nicht wie bisher rechts im Fluss! Wir warten, es ist nicht besonders nah dran aber 80 Meter reichen wohl aus um uns auf den schweren Rädern einzuholen. Wir wissen wenig über diese Tiere und deren Verhalten, und was dann passiert, hätten wir uns nicht ausgemalt.

Wenn ein Nilpferd die Radreise kreuzt

Laufende Nilpferde sehen merkwürdig aus. Dieses Exemplar rennt erst leicht auf und zu und dreht dann zum Fluss ab.  Während des 200-Meter-Sprints zum Fluss, inklusive zwei kurzer Kontrollpannen, reißt es oft das Maul auf. (Hier das Video dazu: https://vimeo.com/115854793). Ich hatten komischerweise keine Angst, aber der Anblick dieser Zähne ist schon sagenhaft.

Wir nehmen einen Umweg, sehen weitere Büffel und unzählige Giraffen. Den See erreichen wir nie, was daran liegt, dass er seit vier Jahren trocken liegt (Bauern nutzen die Zuflüsse). Auf der weiten Ebene des ehemaligen Sees grasen am Nachmittag unzählige Zebras, Impallas, Kudus und eine Herde von 16 Giraffen. Wir schauen uns alles in Ruhe an, sehen alle Tiere, wie sie in die weite Ebene flüchten. Peter und ich machen uns dann auf den Weg nach Norden um den Park wieder zu verlassen um rechtzeitig zu einem sicheren Schlafplatz zu kommen. Wir haben mit dem ungewohnten Anblick von Fahrräder genug Unruhe gestiftet.

Radreise Afrika 4

Die Aufgabe, den Katavi zu verlassen, erweist sich als eine große Herausforderung. Der Pfad wird immer grausamer und plötzlich kommen Tsetsefliegen ins Spiel. Diese Dinger sind tatsächlich der Horror. Ohne zögern stechen sie einfach zu. Überall. Egal wie schnell man fährt.

Ein Gewitter mit mäßigen Regen bricht ein und mein Lager fühlt sich an wie eine umrunde Getreidemühle. Speiche 4 sagt „Auf Wiedersehen“ und ob Löwen oder Elefanten zu sehen sind, interessiert uns schon lange nicht mehr. Aus der Ruhe von vorhin entsteht Stress, und nun sind wir es, die flüchten. Kurz vorm Ausgang sehen wir, dass auch Giraffen über drei Meter weit springen können (über die Sandpiste), was ulkig ausschaut, wie eigentlich alles an den Tieren. Auch diese Ereignis  gibt es bald auf Video zu sehen.

Die ganze Fahrt aus dem Park stellt sich als länger heraus als gedacht. Peter hat Schmerzen am Gesäß und muss den Rest im stehen fahren. Die Piste ist matschig, es geht bergauf.

Nachts kommen wir in ein Dorf. Acht Stunden saßen wir in den Sätteln der Rädern, 15 Stunden waren wir unterwegs und haben 110 km auf diesen grausamen und dennoch wunderschönen Wegen. Die Handgelenke schmerzen. Genau deswegen und wegen all der wahnsinnigen Begegnungen wollte ich gerne von diesem Tag erzählen. Löwen und Elefanten haben sich an diesem Tag gut versteckt. Gut so, denken wir uns nun.

Unter anderem ist auch der einsame „wilde Westen“ der Grund warum ich diese Route gewählt habe, Tansania zu durchqueren und nicht die Strecke über den viel befahrenen Osten (Sansibar, Dar es salam, Serangeti, Kilimandscharo usw.) gewählt habe. Wir haben die Hauptverkehrsachse Afrikas an einem Tag zur Grenze von Zambia in Tundumu erlebt.

Radreise Afrika 5

Nirgendwo verkehren so viele total überlastete und alte Lkw wie hier in Afrika. Um die küstelosen Länder Simbabwe, Botswana und Zambia von ihren Gütern zu befreien, die schlussendlich an der Küste Tansanias verfrachtet werden, ballern hier fünf Lkws in der Minute auf einer Spur (ungefähr 25 cm tiefe Spurrinnen) ohne Seitenstreifen nach Osten. Radfahrer wissen, warum man da nicht entlang mag. Diese Strecke gilt als die gefährlichste hier. Eng und dreckig, und keiner hält sich an die Regeln. Dann lieber Ruhe und keine touristischen “ Hauptattraktionen“.

Heute sind die Beine müde, Peter ist beim Arzt gewesen und muss wegen unschöner Dinge am Po, auf die nicht weiter eingegangen werden muss, Antibiotika und so Zeug schlucken. Also haben wir nach zehn Tagen Radeln am Stück mal Pause.

Die Menschen in Afrika: Einfach, freundlich und glücklich

Noch was Schönes über die Menschen hier: Ich kann nur über die Menschen hier im Westen erzählen aber es gefällt mir ausgesprochen gut. Jeder grüßt jeden, viele sind mit alten Rädern unterwegs und was auffällt, Menschen beschweren sich hier nicht. Es scheint einfach nicht Teil ihrer Kultur. Es wir nicht um Preise gefälscht und nicht gemotzt.

So war der Koch am Straßenstand eben ganz verdutzt als wir sein aus 80 Prozent bestehendes Ziegenfleisch nicht für den vollen Preis von 4000 Schilling bezahlen wollte. Er hat anfangs gelacht, dann aber realisiert, dass wir Wuzzuzus es ernst meinen und es ohne Widerrede hingenommen. Auch drängeln die Menschen hier nicht mehr vor oder versuchen dir Dinge auf dem Mark anzudrehen. Es ist ruhig und angenehm, anders als in Sambia beispielsweise.

Morgen fahren wir weiter nach Kigoma, um endlich den zweiten der drei großen See Afrikas zu sehen. Aber zur schönen Küste Tanganyika sind es noch mühselige 300 km. Danach folgt Burundi. Ein Land was wohl den wenigstens etwas sagt.

Danke Anselm! Ich hoffe, wir können noch mehr von dir lesen!

Mallorca mit dem Mountainbike: Traumhaftes Berg-Meer-Panorama

Biken statt Ballermann: Mallorca hat so viel mehr zu bieten als Eimersaufen im August. In der Nebensaison nämlich fliegst du für unter 100 Euro hin und zurück auf die Insel und zahlst auch vor Ort nicht wirklich viel. Weder für Verpflegung noch für Unterkünfte. Dann nämlich profitierst du vom geringeren Preisniveau Spaniens. Sogar in einigen touristischen Orten. Außerdem ist es auf den Balearen im Frühling und Herbst angenehm warm. Die Temperatur schwankt nur von 10 bis 20 Grad. Daher ist Zelten auch im März ne tolle Alternative. Deswegen wollte auch ich Mallorca zum Radeln nutzen, während es Anfang März 2013 nachts noch gerne Minusgrade hatte. Insgesamt war ich neun Tage auf der Insel – ohne jegliches Hotel.

Alpen Schnee Luftbild

Die Alpen sind im März noch verschneit, hier vom Flieger aus fotografiert. Mallorca wird aber 20 Grad warm sein.

Taugt Mallorca zum Fahrradfahren?

Ein Geheimtipp ist die Nebensaison auf Mallorca für Radler schon lange nicht mehr. Auf den Straßen tummeln sich nämlich mehr Rennradler als Autofahrer. Während ich daheim auf die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer schimpfe, tun mir die auf Mallorca fast schon leid. Dort sind es eher die Rennradler, die waghalsig zwischen den Autos herumflitzen, sodass die Autos ganz schön aufpassen müssen, dass sie nicht unter ihre Räder kommen.

Daher macht die Helmpflicht, die außerorts in ganz Spanien gilt, auf der Insel durchaus Sinn. Ich war bislang ohne Helm unterwegs und hatte mir extra für den Urlaub daheim einen zugelegt. Eine gute Gelegenheit also damit anzufangen.

Das Inland ist größtenteils flach. Von der Hauptstadt Palma de Mallorca fährst du an den Nordstrand bei Alcuida in etwa einem halben Tag. Im Gebirge im Osten der Insel, der Serra de Tramunana, gibt es kaum eine flache Stelle. Dort ist es ein ständiges Auf und Ab. Die Landschaft mitsamt Aussichtspunkten lohnen sich aber.

Mallorca Flachland

Das Binnenland ist Flachland

Mallorca mit dem Mountainbike

Macht eine kurze Radreise auf Mallorca überhaupt Sinn? Wenn du dir die Insel auf Google Maps anschaust, stellst du fest, dass die Straßen an der Küste entlang nur wenige Hundert Kilometer lang ist. Sie einmal zu umrunden hatte ich ursprünglich vor, ich verliebte mich jedoch schnell in das Gebirge, die Tramuntana. Sie zieht sich über den ganzen Osten entlang.

Und da ich nicht der Rennradler bin, der in Rekordzeit das Flachland abfährt, war für mich schnell klar, dass ich hier mit dem Mountainbike ins Gebirge will. Außerdem soll zum Campen ja auch noch etwas Gepäck mit. Wie auf einer Radreise wollte ich auch dort autark unterwegs sein. Also ohne jegliche Hotelbuchung und stets im Freien schlafen oder Couchsurfen. Das sollte schließlich auch möglich sein.

Das eigene Rad mit dem Flieger auf die Insel zu hieven fand ich etwas umständlich. Außerdem kostete ein gutes Mietrad nicht mehr. Ich habe mir daher im Ort Peguera ein vollgefedertes MTB geliehen. Zelt und Schlafsack an Lenker und Sattelstange festgezurrt, Kleidung und Verpflegung im Rucksack und los ging die Tour.

Privado: Jeder Fleck der Insel ist im Privatbesitz

Des Wildcampers Feind ist Privatgrund. Bis auf wenige Ausnahmen ist die gesamte Insel in Privatbesitz. Das heißt, dass einige Feldwege auf der Karte gar nicht befahrbar sind, weil abgezäunt, oder rechts und links des Weges du stets Zäunen entlang fährst. „Privado“-Schilder sind daher oft zu lesen. Im Flachland empfand ich das als besonders ärgerlich.

Im Gebirge finden sich da schon eher Flecken zum Campen. Aber auch dort passierte es mir, dass ich vom Weg abgekommen bin und ich über einen Zaun klettern musste, der sich mitten durchs Gestrüpp zog. Ich wollte stets Privatgelände respektieren – dort aber war es mir schlicht nicht möglich umzukehren, da ich das Mountainbike mitschleppte.

Mallorca Wildcampen

Wildcampen auf Mallorca ist nicht einfach, im Gerbirge aber möglich – wenn auch trotzdem verboten

Wildcampen und Alternativen

Offiziell ist jegliches Wildcampen auf Mallorca verboten, nur um das klarzustellen. In den Bergen gibt es jedoch einige Hütten sowie einen Campingplatz – den einzigen auf der Insel. Bei den Hütten wird empfohlen, vorab zu reservieren. Ich nutzte sie nicht, daher kann ich nur den Campingplatz am Kloster Lluc empfehlen. Er kostet 5 Euro die Nacht und bietet (kaltes) Wasser in den Duschen sowie Toiletten.

Einige Wanderwege verlaufen zudem durch Privatgrund. Handelt es sich um eine offizielle Route, wie etwa den GR 221, gestatten die Grundbesitzer oft den Zugang. Im Gebirge gibt es außerdem am Wegesrand oft ebene Flächen fürs Zelten, wo nach Sonnenuntergang auch kein Mensch mehr unterwegs ist.

Wohl aber die Bergziegen, die mich nach Dämmerung einmal höllisch erschreckt hatten: Ich steckte den Kopf aus dem Zelt, als ich Geräusche hörte. Ich sah etwas vorbeihuschen und mir gefierte das Blut in den Adern. Später erinnerte ich mich an die Viecher, die mir tagsüber schon begegneten.

Was du auf Mallorca gesehen haben musst

Die kleinen Dörfer im Gebirge sind zwar voll mit Häuser wohlhabender Ausländer, haben aber trotzdem einen ländlichen Charme und wirken einheimisch. So etwa Estellencs, Valdemossa, Deja und Sóller mit Hafen Port de Sóller als wohl schönste Bucht. Im Sommer ist sie zwar recht überlaufen, in der Nebensaison war sie jedoch wunderschön.

Das Wasser ist zwar noch etwas zu kalt zum Baden – ich tats aber trotzdem zur Erfrischung. Außerdem boten die Strände meist Duschen, wo ich mich und meine Wäsche wusch. Der Südstrand von Peguera sowie der Nordstrand von Port de Pollenca boten schöne Panoramen. Wenn du aber nach der schönsten Badebucht suchst, so fahre einen Abstecher nach Cala Sant Vicenç.

Wenn du wie ich auf hohe Gipfel mit Ausblicke stehst, nimm dir den Massanella vor. Mit 1.350 Metern ist er der zweithöchste Berg der Insel – der höchste Berg mit ca. 100 Metern mehr, Puig Major, ist leider Militärsperrgebiet. Ihn hast du vom Gipfel des Massanella im Blick, genauso wie ein herrliches Panorama der Nordküste sowie des Inlandes.

Meine Vorab-Recherchen ergaben, dass der Massanella im Privatbesitz sei und „Eintritt“ kostet. Ja wirklich. Es soll ein Kassenhäuschen oben sein, was von Touristen 6 Euro kassiert. Ich konnte nicht genau herausfinden, wo es steht. OpenCycleMap zeigte auch mehrere Wege hoch. Ich bin den Weg vom Kloster Lluc hochgegangen und mir ist kein Kassenhaus begegnet. Das Kloster mit dem Campingplatz eignet sich hervorragend für einige Sternfahrten oder Sternwanderungen, wie ich sie gemacht habe.

Das Cap Formentor ist der nördlichste Punkt Mallorcas. Von Port de Pollenca steht aber erstmal ein deftiger Anstieg bevor. Und die ca. 15 Kilometer darfst du anschließend auch wieder zurück fahren. Die Steilküste ist auch ein beliebtes Ziel der Mietauto-fahrenden Rentnerhorde, mit der du dir außerdem die kurvenreiche Straße teilen darfst.

Port de Soller Bucht

Die Bucht von Port de Soller ist umso schöner von einem der Hügel drum herum aus bedrachtet

Öffentliche Verkehrsmittel: Bus und Bahn auf Mallorca

Mallorca verfügt über ein gutes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Per Bahn sind nur größere Städte miteinander verbunden, darunter nicht das Gebirge. Dort sind aber fast alle Dörfer per Bus erreichbar. Dreh- und Angelpunkt des Netzes ist die Estacio Intermodal am Plaça d’Espanya, zentral in Palma de Mallorca. Fahrradmitnahme gibt es bei den Bussen nicht, lediglich bei einigen Bahnlinien.

Von Palma fährt auch ein Bus direkt in die Berge ans Kloster Lluc. Nachdem ich das Rad abgegeben hatte, bin ich dorthin zurückgefahren, um einige Gipfel zu erklimmen, die ich mit dem MTB nicht erreichen konnte.

Um Verbindungen von A nach B mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu finden, empfehle ich die Routenplanung mit Google Maps. Die funktioniert generell in Spanien recht gut. Einfach als Verkehrsmittel das Bussymbol auswählen und Zeiten sowie Alternativen wählen.

Mallorca Dörfer

Bis auf die Hauptstadt Palma besteht Mallorca aus vielen kleineren Ortschaften

Mallorca – ein Radreiseziel?

Zugegeben: So eine Insel ist nichts für ausgiebige Radreisen, auf denen täglich um die Hundert Kilometer geschaufelt werden. In der Nebensaison ist Mallorca dennoch eine lohnende Radelinsel, die sich für einen einwöchigen Kurztrip anbietet.

Egal ob Rennradler, Tagestourer oder Mountainbiker – die Insel hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. Ich mag den Ausblick von oben und die menschenlose Natur, daher gehörte ich zur letzteren Gruppe. Alle anderen bleiben eben im Flachland der Insel. Wie ganz Mallorca haben sich auch die Radverleiher auf das deutsche Publikum eingestellt und sind zum Teil sogar deutsche Firmen.

 

Warst auch du schon mal auf Mallorca zum Radeln und/oder Campen? Dann würden mich deine Erfahrungen interessieren. Ab damit in die Kommentare!

„Pedal the World“: Lohnt sich der Film von Felix?

pedal the world film

Screenshot: www.pedal-the-world.com

Er musste im Internet ordentlich Prügel einstecken: Seine Radreise hatte Felix Starck von Anfang an bestmöglich kommerziell vermarktet. Obwohl der junge Herxheimer relativ unerfahren im Reiseradeln und weil er nahezu ausschließlich von Sponsoren ausgestattet worden ist. Viele „gestandene“ Radler spotteten deswegen über ihn. Er sei naiv, öffentlichkeitsgeil, würde sich nur inszenieren – und das, obwohl er mehr im Flugzeug als im Sattel gesessen haben soll. Trotzdem filmte Felix fleißig die ganze Reise und verkauft seinen eineinhalbstündigen Film über seine Website.

Aller Kritik des konservativen Kerns der Reiseradler-Szene zum Trotz scheint der Erfolg ihm recht zu geben: Seine vielen Facebook-Fans freuen sich über seinen Radreise-Film. Doch die knapp 20 Euro für die DVD bzw. 13 Euro für den Download als MP4-Videodatei sind ein zunächst stolzer Preis für ein privates Filmprojekt. Zumindest in der Postproduktion scheint er von einer professionellen Filmagentur unterstützt worden zu sein. Ich haderte etwas, bis schließlich die Neugier siegte ich schließlich doch bei Felix kaufte. Dazu muss erwähnt werden, dass die Videodatei lediglich die DVD-Auflösung von 1280 x 760 Pixel bietet – also kein FullHD-Bild.

„Pedal the world“: Radweltreise oder Flugweltreise?

Zugegeben: Wer die Reiseroute auf seiner Website betrachtet, merkt, dass die Flugstrecken bei weitem überwiegen. Die Kritik, dass er mehr im Flugzeug als auf dem Sattel saß, kommt daher nicht von ungefähr. Doch kann ihm das wirklich angelastet werden? Wer bestimmt, ab wann eine Radreise eine Radreise ist? Er betont, dass es ums Reisen geht und nicht ums Fahrradfahren. Muss jemand also wirklich erst eine sportliche Leistung um ernst genommen zu werden?

Ich meine: nein. Klar prahlen im Internet erfahrene Reiseradler damit, Felix‘ Leistung übertroffen zu haben und sich trotzdem nicht medial inszeniert zu haben. Aber ist gegen eine Kommerzialisierung an sich etwas auszusetzen? Felix machte die Reise sicherlich nicht, um Geld zu verdienen. Das er es trotzdem tut, darf ihm nicht angelastet werden. Denn es ist ebenso verständlich wie andere Radler, die eben keine Lust darauf haben und die Unabhängigkeit lieber genießen.

Beweggründe für so eine Reise sind unterschiedlich und individuell. Für diese muss sich niemand rechtfertigen – egal wie sehr er sich inszeniert.

Das „Schwäbische“ aus dem Off

Okay – mit dem Schnitt im Nachhinein scheint sich Felix schon etwas Mühe gegeben zu haben. Denn er erzähl in Szenen von unterwegs und kommentiert auch aus dem Off – und zwar von Anfang bis Ende. An den starken schwäbischen Dialekt musste ich mich zunächst etwas gewöhnen. (Ich weiß, Herxheim liegt in der Pfalz.) Das kann und möchte ich ihm aber nicht anlasten – immerhin macht es den Jungen und auch den Film authentisch. Sein „Unnääääh…“ (übersetzt: und ähm) hat sich dennoch mir in die Ohrmuschel gebohrt.

Aus dem Off wird er auch etwas konkreter als in seinen kurzen Monologen, die sich oft auf ein ausführliches „Whoa geil!“ beschränken, wenn es nicht gerade um den Tod seines Großvaters geht. Das hat er etwas zu stark thematisiert, wie ich finde. Klar hatte es ihn beschäftigt und es war eines seiner Erlebnisse, die ihm auf der Reise widerfahren sind. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass er das ein oder andere Reiseziel etwas ausführlicher beschrieben hätte. Ich habe keine Kultur-Doku erwartet, aber doch etwas mehr seine Eindrücke an den bestimmten Orten.

Vollkommen überladen ging’s los

Zu Beginn waren sie noch zu zweit: Felix plante die Reise mit seinem damaligen Freund Fynn. Daheim sind sie losgefahren. Und zwar nicht nur mit den üblichen vier Packtaschen am Reiserad, sondern auch mit dicken Packsäcken auf dem Gepäckträger und einem Anhänger mit weiterem Gepäck. Haben die Jungs ihren ganzen Hausstand dabei? Oder Angst, dass sie unterwegs nichts zu essen bekommen werden?

Dass sie hemmungslos überladen waren, merkten die beiden wohl schnell: Schon bald war der Anhänger verschwunden. Es wäre schön gewesen, wenn Felix auch die Entwicklung seiner Ausrüstung thematisiert hätte. Natürlich soll der Film keine große Radreise-Anleitung sein. Dennoch wären einige praktische Erfahrungen dieser Reise nicht fehl am Platz gewesen.

Pedal the World Film

Filmausschnitt von Pedal the World: Am Anfang noch zu zweit

Verschleiß an Reisepartnern

Schon recht bald hatten sich Fynn und Felix getrennt. Vor der Reise hatten sie sich noch gegenseitig auf ihrer Website beschrieben. Dort wirkten Beide wie unzertrennliche Freunde. Wie kann man sich nur derart verkrachen? Felix blieb im Film diplomatisch und auch wenn es den Zuschauer interessieren würde, ist es doch irgendwo verständlich, dass im Film keine schmutzige Wäsche gewaschen werden sollte. Bestimmt wollten beide nicht, dass Fynn groß im Film vorkommt.

Felix blieb aber nicht lange alleine. Neben etappenweisen Begleitungen seines Vaters oder seiner Freundin bekam er einen weiteren Reisepartner: Anselm, ein erfahrener Reiseradler, meldete sich bei ihm und wollte seinem Projekt beitreten. Doch auch diese Zweisamkeit währte nicht lange, sie fanden wohl keine gemeinsame Basis. Wer auch Anselms Radreisevideos kennt, merkt schnell, dass er und Felix komplett unterschiedlich Persönlichkeiten sein müssen. Felix mit einem noch recht jugendlichem Gemüt, für den noch alles cool und geil ist – und Anselm, der ruhige, entspannte und eher introvertierte Typ, der vielmehr die Natur genießen möchte.

Im Film erzählt Felix jedoch auch kaum etwas über diese gemeinsame Zeit. In einem Monolog über den plötzlichen Tod seines Opas erwähnt er lediglich, dass Anselm ihm „auf die Nerven geht“. In den folgenden Szenen war dieser nicht mehr dabei. Schade, die Perspektive seiner Reisepartner wäre auch interessant gewesen. Nicht unbedingt ihre Meinung über Felix selbst, vielmehr die über die Reise mit ihm.

pedal the world filmausschnitt

Filmausschnitt aus Pedal the World: Felix filmt sich oft aus der Nähe

„Was ist der Sinn des Lebens?“ oder „Was ist der Sinn des Films?“

Felix hat zweifellos eine beeindruckende Reise hinter sich. Schön, dass er mit einem knapp 80-minütigem Film andere daran teilhaben lässt. Doch erfüllt der Film die Erwartung des Zuschauers, von der Reisebegeisterung angesteckt zu werden? Kommen die Emotionen auch rüber?

Ich muss zugeben, dass mir ein eindeutiges Fazit schwer fällt. „Was ist der Sinn des Lebens?“ – wohl nur eine rhetorische Frage des Films. Trotzdem sollte Felix diese Frage im Film aufgreifen, wenn er sie stellt. Etwa dann, wenn er darüber erzählt, wie es ihm geht und wie er die Reise empfindet. Das tut er nicht und im Nachhinein hätte ich mir seine persönliche (gern auch offene) Antwort auf die Frage erhofft. Also was ist dann der rote Faden des Films, wenn nicht die stückweise Beantwortung der Frage?

Einerseits erfüllt der Film von Felix nicht alle meine Erwartungen, die ich an eine kommerzielle Dokumentation einer Radreise habe. So sind etwa einige inhaltliche Lücken zu finden. Hätte ich die Reise nicht schon vorher verfolgt, hätte ich hin und wieder einige Fragen beim Filmschauen gehabt. Wie kommt Felix nun hier und dort hin? Warum erzählt er mir nicht mehr über diesen schönen Ort? Klar geht er hin und wieder auf Sehenswürdigkeiten ein. Etwas mehr kulturellen Hintergrund hätte ich mir unter anderem in Asien gewünscht. Felix möchte für seinen Film Geld haben. Deswegen hätte er sich auch etwas mehr Gedanken darüber machen sollen, was sich ein zahlender Zuschauer von der Doku erhofft, finde ich.

Natürlich ist Felix nicht der Museumsgänger. Aber wie waren seine Begegnungen mit Einheimischen und seine Eindrücke darüber? Dass er etwa in Kambodscha ausgeraubt wurde, so etwas spektakuläres hat er leider im Film ausgelassen und ich muss im Spiegel-Interview darüber erfahren. Klar, dass er die Situation nicht filmen konnte, aber warum erzählt er zumindest im Nachhinein nicht darüber? Wie hat er sich dabei gefühlt? Bestimmt hat er bei jeder Gelegenheit gefilmt und möglichst jede sehenswerte Location in den Film gepackt. Ich hätte aber gerne mehr etwas über seine Sicht der gefilmten Umgebung und der Erlebnisse erfahren. Denn das ist es doch, was die Reiselust beim Zuschauer weckt.

Kreative Perspektive: Felix film aus der Packtasche heraus

Kreative Perspektive: Felix filmt aus der Packtasche heraus

 

Andererseits hebt sich die Produktion qualitativ deutlich von Youtube-Filmchen ab, die oft nur eine Aneinanderreihung von Reiseszenen sind und in die wenig Mühe gesteckt wurde. Pedal the World ist eben nicht nur ein reines GoPro-Gewackel. Felix hat sich mit den Kameraeinstellungen und Szenen durchaus Gedanken gemacht. Zeitraffer, Unterwasserszenen und gut geschnittene Stativaufnahmen machen den Film abwechslungsreich und kurzweilig. Witzig ist etwa, wie er gleich anfangs aus der Packtasche heraus filmt.

Es sind zudem viele Landschaftsaufnahmen, die zum Träumen einladen und einen selbst zum Reisen inspirieren. Der Film weckt zweifellos die Lust, die Welt zu entdecken. Eben das, was Felix eben auch auf seiner Reise getan hat.

Regenbekleidung: Wie du auf dem Fahrrad dem Regen trotzt

Fahrrad Regenjacke K-Way

Das Wetter trübt meine Laune nicht. Höchstens, dass meine alte Regenjacke von K-Way nicht atmungsaktiv ist

Mit Regen ist auf nahezu jeder Tour zu rechnen. Hierzulande kann es zu jeder Jahreszeit schütten, daher geht kaum eine mehrtägige Radtour ohne wetterfeste Kleidung. Mit einem billigen Regenponcho oder einer Jacke aus dem Saisonangebot des Discounters brauchst du aber erst gar nicht losradeln. Wer hier spart, wird trotz wasserdichter Jacke nass: nämlich vom eigenen Saft. Atmungsaktive Regenbekleidung kostet eben etwas. Also wäre auch hier an der falschen Stelle gespart.

Nicht nur die richtige Kleidung hält einen auf einer Radreise trocken, auch das richtige Verhalten. Sofern du die Möglichkeit hast, check stets den Wetterbericht. Auf einer Radreise verweilst du selten lange an einem Ort. Daher sei dir dessen bewusst, wann du wo sein wirst. Mobiles Internet und eine Wetter-App sind hier Luxus.

Bevor du aber unterwegs die Regenklamotten auspackst, prüfe erst, ob du sie überhaupt brauchst. Eventuell handelt es sich nur um einen kurzen Schauer. Lieber eine kurze Pause eingelegt unter einer überdachten Stelle, sofern vorhanden. Oft regnet es auch nicht den ganzen Tag und du kannst deine Tagestour dementsprechend planen:

Regnet es nur vormittags, schlaf einfach etwas länger und fahr erst mittags los. Oder schlag etwas früher dein Zelt auf, wenn es den Abend durchregnen soll. Andererseits müssen die ersten Tropfen auch keinen Vollstopp fürs Umziehen bedeuten. Ein kleiner Sommerschauer kann durchaus erfrischend sein. Der Fahrtwind trocknet die Kleidung anschließend wieder.

Hardshell oder Softshell? Wasserdicht oder atmungsaktiv?

Sei es drum. Wer trotzdem durch den Regen radeln möchte, braucht entsprechende Kleidung. Als kleiner Exkurs in die Materialkunde sei gesagt, dass es stets gilt, einen Kompromiss aus wasserdicht oder atmungsaktiv zu finden.

Softshell gilt höchstens als wasserabweisend, ist dafür aber atmungsaktiv und die Ärmel kleben nicht ganz so schnell an der Haut, indem sie die Feuchtigkeit nach außen abführen. Softshell ist also eine gute Allround-Lösung, um in der Zwischensaison und kälteren Sommertagen nicht zu frieren, nicht zu schwitzen und nicht nass zu werden. Für Dauerregen ist Softshell jedoch keine Lösung.

Hardshell ist wasserdicht dementsprechend weniger atmungsaktiver. Teure Jacken versprechen zwar beides, was aber nur bedingt stimmt, denn es sind prinzipiell unvereinbare Gegensätze. Also je wasserdichter, umso weniger atmungsaktiv auch. Bei billiger Regenkleidung sparst du auf Kosten eines schlechten Kompromiss. Sie ist zwar meist wasserdicht, jedoch keinen Deut atmungsaktiv. Das ist deswegen umso schlechter, weil es weitaus unangenehmer ist, vom eigenem Saft durchnässt zu sein als vom Regen.

Unterschiede zwischen Hardshell und Softshell:

Hardshell Softshell
2- bis 3-lagig einlagig
wasserdicht wasserabweisend
winddicht windabweisend oder -dicht
Außenschicht Mittel- oder Außenschicht

Die richtige Regenjacke fürs Fahrrad: warm oder nur windfest und wasserdicht?

Jeder Mensch friert und schwitzt unterschiedlich, daher empfehle ich, mehrere Materialien durchzuprobieren. Meine erste Radjacke war die Softshelljacke Vaude Spectra*. Sie ist insofern toll, da sie eben alle oben beschriebenen Softshell-Eigenschaften aufwies. Eine Softshelljacke ist mir persönlich zu warm, daher gibt es für mich zwischen leichter Windjacke und Hardshell-Regenjacke nichts. Die Vaude-Softshell nehme ich deswegen gar nicht mehr auf Radreisen mit.

Ich habe mir nun die Gore Alp-X 2.0* geleistet. Sie hat zwar einen stolzen Preis, ist jedoch nicht nur wasserdicht, sondern auch ausreichend atmungsaktiv. Ich trage sie auch, wenn mir die leichte Windjacke zu kalt ist. Gegen die Kälte habe ich übrigends eine Merino-Weste, da ich an den Armen weniger friere. Falls doch, habe ich Armlinge zum individuellen Kombinieren.

Regenjacken fürs Fahrrad haben einen längeren Rücke und sind an die gebeugte Haltung angepasst. Daher solltest du auch nicht unbedingt auf Trekking-Jacken ausweichen.

Regenjacke mit langem Rücken

Regenjacken für Radler sind am Rücken länger geschnitten – Bild: Roland Tanglao/cc-by

Der Regenponcho: eine sinnvolle Alternative?

Ein Regenponcho liegt nicht eng am Körper an wie eine Jacke. Er hat daher den Vorteil, dass du nicht so sehr drunter schwitzt, er aber dennoch wasserdicht ist wie eine Hardshell-Jacke. Das hat aber auch den Nachteil, dass du dem Wind mehr Widerstand bietest, was das Radeln unerträglich machen kann. Für längere Regenstrecken ist er daher nichts und höchstens ein Notbehelf für Touren, auf denen du kaum Regen erwartest oder ohnehin nicht vor hast, länger im Regen zu fahren.

Ich habe dennoch zusätzlich einen Poncho dabei, nämlich einen Tarp-Poncho* von Sea to Summit. Es ist ein praktisches Teil, das Schlaufen an den Enden hat und mit abgeschnürter Kaputze und Schnüren zu einem Tarp (Sonnensegel) aufgespannt werden kann. Ich bin begeistert von der Vielseitigkeit: Es kann beispielsweise als „Vordach“ für das Zelt dienen, als Sonnenschutz oder für Ultraleicht-Camper auch als Not-Unterkunft, denn es wiegt lediglich 367 Gramm.

Brauche ich überhaupt eine Regenhose?

Rainlegs Regenhose

Rainlegs: Der „Latz“ für die Oberschenkel ist eine Alternative zur Regenhose  – Bild: Hans Dorsch/flickr/cc-by-sa

Wenn es regnet, ist es selten kalt und einige Radler verwenden einfach keine Regenhose. Das kann durchaus erträglich sein, wenn der Oberkörper und die Füße trocken bleiben und der kurzen Radlerhose die Nässe kaum etwas ausmacht. Bei heftigem Regen frieren aber dann doch irgendwann die Knie.

Was die Regenhose angeht, so gibt es auch hier Varianten in Softshell und Hardshell. An den Beinen permanent zu schwitzen ist nicht ganz so unangenehm wie am ganzen Oberkörper. Daher kann hierfür durchaus eine Discounter-Variante tauglich sein. Was aber neben der Wasserdichte wichtig ist, ist ein Reißverschluss. Ich hatte eine Aldi-Hose mit einem, der die Waden öffnet und etwas lüftet. Das war mir aber nicht genug, daher habe ich eine Regenhose mit komplett durchgehenden Reißverschluss gekauft, die Fluid Full Zip Pants II*von VauDe. Hier können die Hosenbeine komplett geöffnet werden und zwei Klettbänder an den Waden halten sie dennoch an den Beinen.

Wer schon mal in Jeans durch den Regen geradelt ist, weiß, dass vorne am Oberschenkel die feuchteste Stelle ist. Eine geniale Erfindung sind daher für mich die Rainlegs*. Sie schützen Oberschenkel und Knie vor Regen, wären der Rest der Beine ohnehin kaum nass wird. Für Radreisen sind sie deswegen so optimal, da sie kaum etwas wiegen und schnell angelegt sind.

In der Praxis haben sie sich bei mir bewährt, ich nehme aber dennoch lieber die Regenhose von VauDe mit auf Reisen, einfach weil sie – wie die Gore Jacke auch – mich etwas vor Kälte schützen und ich mir so eine extra Hose spare. Die Rainlegs nutze ich daher nur noch im Alltag.

Fast am wichtigsten: Überschuhe, Helmüberzug und Plastiktüten

Oberkörper und Beine sind trocken – okay. Kaltnasse Hände und feuchte Füße sind aber wohl das Schlimmste. Was die Schuhe angeht, so sind die wenigsten Radschuhe wirklich wasserdicht – sei es die Oberfläche oder an der Sohle wegen Cleats. Wie du Klickpedal-Schuhe mit Silikon wasserdicht bekommst, habe ich bereits hier beschrieben. Zusammen mit einem Paar Überschuhe* von VauDe bleiben meine Füße stets trocken. Sie haben jedoch den Nachteil, dass sie wirklich nur zum Radeln geeignet sind und auf längeren Fußmärschen Schaden nehmen können. Wer wie ich auf Radtouren auch einige Abstecher zum Wandern machen möchte, ist mit einem Paar Gamaschen besser beraten. Bislang hatte ich aber noch keine wirklich gebraucht.

Wasserdichte Handschuhe? Meist sind die wasserdichten doch eher gut gefütterte Winterteile, die im Sommerregen einfach zu warm sind. Ich empfehle daher auch hier das Zwiebelprinzip und die ganz normalen Fahrrad-Handschuhe mit einem Paar Überfäustlinge* zu kombinieren. Dass ich dadurch nicht mehr gleichzeitig schalten und bremsen kann, nehme ich dafür in Kauf, dass die Finger schön warm beieinander sind.

Einweg-Plastiktüten sind vielseitig einsetzbar und sollten daher auf keiner Radreise fehlen. Ich ziehe sie zum Beispiel über mein Smartphone am Lenker, wenn es regnet. Auf eine Regenfolie verzichte ich hier, da sie stark spiegelt. Außerdem helfen sie gegen nasse Socken. Auch der noch so wasserdichte Schuh wird irgendwann mal innen feucht. Nasse Füße sind grausam, daher ziehe einfach Tüten über deine (trockenen) Socken, bevor du die Schuhe anziehst.

Die Plastiktüten sind auch dazu geeignet, Wäsche in den Taschen zu organisieren, sie zusätzlich gegen Nässe zu schützen oder benutzte von sauberer Wäsche zu trennen. Zugegeben: besonders haltbar sind die Beutelchen nicht. Einweg ist Programm. Zip-Beutel sind eine haltbarere Alternative – für die Wäsche zumindest.

ziplock verschluss

Plastikbeutel mit Ziplock-Verschluss: ein praktischer Schutz vor Nässe

Welche Regenklamotten trägst du auf dem Fahrrad?

So, nun kennst du mein Setup mit all seinen Vor- und Nachteilen. Mich interessiert, wie du trocken durch den Regen radelst. Daher freue ich mich über jeden Kommentar.

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Radreise-Typen: Das stabilste aller Fahrräder

Der Radreise-Panzer trotzt jeder Weltreise: Schwer, stabil und zuverlässig muss ein Fahrrad sein, mit dem du von Europa gen Asien fährst. In entlegenen Gegenden sind Pannen mehr als ärgerlich. Dementsprechend müssen alle Komponenten möglichst wartungsarm und verschleißresistent sein. Welche Komponenten sind hier zu finden? Auch in Dritte-Welt-Ländern gibt es zwar Asphalt, doch beim unebenen Erdboden darf das schwer beladene Rad nicht gleich das Fortkommen unmöglich machen.

packed bike

Ein stabiles Rad für eine Weltreise trägt gut und gerne 40 kg an Gepäck.  Bild: Milestone Rides/flickr/cc-by-nd

Im Alltags-Radverkehr findest du solche Räder kaum. Wohl weil die teuren Teile zu Schade für die Stadt sind oder auch eher unspektakulär aussehen. Während du auf Anhieb ein Mountainbike oder Rennrad erkennst, wirkt ein Reiserad meist wie ein schnödes, simples Trekkingbike. Aber auf die Optik kommt es hier meist auch nicht an – höchstens die Rahmenfarbe wird nach eigenem Gusto gewählt.

Wichtig ist einzig und allein die Stabilität. Doch wie ein solches stabiles Reiserad auszusehen hat, das ist bei jeder Komponente eine Wissenschaft an sich. Stahlrahmen oder Aluminiumrahmen? Reifen mit 26 Zoll oder 28 Zoll? Nabenschaltung oder Kettenschaltung? Neben technischen Fakten werden dir auch äußerst subjektive bis esoterische Diskussionen begegnen, wenn du versuchst, im Internet die Antwort auf diese Fragen zu finden. Ich möchte einen kurzen Überblick über das Pro und Contra bei den Komponenten geben.

Alu oder Stahl? – und warum stellt sich die Frage überhaupt

CroMo, schlicht besser bekannt als Stahl, ist das klassische Rahmenmaterial eines Fahrrads. Es ist härter als Aluminium, woraus heutzutage die meisten Fahrradrahmen sind, einfach weil es ein günstigeres und leichteres Material ist. Dennoch darfst du dich nun nicht zum Schluss verleiten lassen, dass allein das Material zählt. Alurahmen sind nicht unbedingt weniger Stabil als solche aus Stahl, denn die Alurohre gleichen das Manko mit einem größeren Querschnitt aus.Auch wenn Aluminium nun das meistverwendete Rahmenmaterial ist, haben noch immer viele Reiseradmodelle einen Stahlrahmen. Nicht etwa, weil diese stabiler sind, sondern auch deswegen, weil viele Reiseradler Stahl als das Nonplusultra halten. Es gibt aber genauso gut hochwertige Reiseräder aus Aluminium.

Eines Totschlagargument für Stahl ist die einfachere Reparatur. Ein Rahmenbruch ist fatal, aber auch im tiefsten Turkmenistan kann eine Autowerkstadt mit einem Schweißgerät hier Erste Hilfe leisten. Aluminium zu schweißen ist da schon schwieriger.

Was dich aber am Rahmen mehr interessieren sollte als das Material, ist die Geometrie. Denn die muss zum Fahrer passen. Sitzt du gut auf dem Rad und passt die Rahmengröße, sollte das Rahmenmetall nebensächlich sein. Lust auf mehr Material

Der Vollständigkeit halber seien hier noch andere Rahmenmateriale erwähnt: Titan und Carbon. Grob gesagt (Disclaimer: sehr grob gesagt!) vereint Titan die Stabilität des Stahls mit der Leichtigkeit des Aluminiums, was sich im astronomischen Preis widerspiegelt. Carbon ist federleicht, deswegen für MTBs und Rennräder eher interessant und auch deswegen teuer. Es ist nicht unbedingt minder stabil als die Metalle. Ein Riss im Kunststoff ist aber der Tod für den Rahmen – mit Schweißen ist da nix!

 

Bereifung: 26 Zoll versus 28 Zoll

Einfache, kurze Antwort: 26 Zoll ist stabiler weil kompakter. Auch wenn in der Stadt viel mehr 28-Zoll-Räder rumfahren dürften und selbst in der letzten Bastion der 26 Zoll, den Mountainbikern, der Trend zu größeren Laufrädern geht, machen die 26 Zoll am Reiserad-Reifen noch immer Sinn. Denn es lassen sich dickere Reifen aufziehen, welche den Fahrkomfort der meist ungefederten Reiseräder erhöht. Dünne Reifen sind zwar leicht und unterscheiden sich durchaus im Fahrgefühl, müssen aber mit höherem Luftdruck gefahren werden, wodurch kaum eine Unebenheit auf der Straße geschluckt wird und als Erschütterung an den Lenker direkt übertragen wird.

Neben technischen Unterschieden gibt es für den Reiseradler wieder ein Verfügbarkeits-Argument: In vielen Dritte-Welt-Ländern sind nahezu ausschließlich 26 Zoll an den Rädern zu finden, was für die Ersatzteilsuche relevant ist. Wer ohnehin nur in Europa unterwegs ist, dem dürfte das egal sein. Was die Laufradgröße zwischen 26 und 28 Zoll sowie die Reifenbreite angeht, so lässt sich das Thema auf einer Skala zwischen stabil und komfortabel bei dicken 26 Zoll und leicht und schnell bei 28 Zoll herunterbrechen.

Patria Terra Reiserad

Das Patria Terra: Ein typisches und bewährtes Reiserad. Quelle: Patria

Nabenschaltung oder Kettenschaltung am Reiserad?

Stabil, komfortabel und teuer bzw. leicht schnell und günstig – damit könnte man auch die beiden gängigen Schaltungsarten, Nabenschaltung und Kettenschaltung, beschreiben. Und auch hier wieder die einfache, kurze Antwort: eine Rohloff-Nabenschaltung ist unverwüstlich und bietet in etwa das Übersetzungsspektrum einer Kettenschaltung. Für eine Weltumrundung daher fast schon Pflicht, da sie eigentlich nur Vorteile bietet – aber deswegen ist sie auch so sauteuer. Denn die Nabe allein kostet schon so viel wie ein gutes Reiserad mit Kettenschaltung, also um die 1.000 Euro. Das Nonplusultra-Schaltwerk, ein Shimano XT, gibt es in etwa schon ab 50 Euro. Preislich liegt der gesamte Kettenantrieb ungefähr bei einem Drittel des Rohloff-Antrieb.

Lohnt sich also eine Rohloff-Nabe gegenüber einer Kettenschaltung?

Ich meine: Nein. Eine Kettenschaltung zweifellos wartungsintensiver. Kette und Schaltwerk sind stets sauber zu halten, damit die Schaltung einwandfrei funktioniert. Bei der Rohloff-Nabe steht vielleicht nach einer Weltreise oder alle paar Jahre ein Ölwechsel an, der idealerweise vom Fachmann durchgeführt wird. Dennoch dürfte für die meisten Radler das Preis-Leistungs-Verhältnis eine Rolle spielen – und da gewinnt die Kettenschaltung. Auch für ein beanspruchtes Reiserad ist sie stabil und zuverlässig genug.

Zwischen Kettenschaltung und einer Rohloff-Nabe gibt es übrigends nichts. Natürlich gibt es noch andere Nabenschaltungen, wie etwa die Nexus oder Alfine von Shimano. Sie sind ähnlich wartungsarm und dankbar wie eine Rohloff, aber weitaus günstiger. Deren geringe Übersetzung macht sie jedoch höchstens für Flachlandradler interessant und scheidet daher für ernsthafte Reiseräder aus.

Stabile Komponenten: Gepäckträger, Lenkergriffe und anderer Kleinkram

Rahmen, Antrieb und Laufräder machen den Großteil der Stabilität eines Fahrrads aus. Trotzdem sollten Kleinigkeiten nicht vernachlässigt werden. So kann etwa auch ein gebrochener Gepäckträger die Radreise unterbrechen. Auch an anderen Komponenten sollte daher nicht gespart werden.

Was den Gepäckträger angeht, so sollte es einer aus Stahl (CroMo) sein. Die der Marke Tubus sind nahezu außer Konkurrenz und umfassen das Spektrum von leicht und filigran bis schwer und stabil. Während die meisten Billig-Gepäckträger eine Maximallast von 20 kg tragen, sind die meisten von Tubus bis 40 kg konzipiert. Die lebenslange Garantie ist ein weiteres Totschlagargument für den Marktführer.

Ok, Lenkergriffe ist für die Stabilität des Rads eher egal und passen eher in die Kategorie Ergonomie. Aber auch hier ist der Verschleiß an die Qualität geknüpft. Daher wähle lieber gleich gute Griffe, denn sie bilden einen Berührungspunkt mit dem Körper und kaputte Griffe auf Tour (ja, so etwas gibt es) sind für die Handgelenke eine schmerzliche Sache. Daher nicht an den falschen Ecken sparen: Gute Griffe gibt’s von Ergon oder SQlab.

Reiserad-Modelle: Nahezu jede Marke hat ein Modell für lange Radreisen

Ein stabiles Fahrrad aus Stahl mit 26 Zoll Bereifung ist wohl die beliebteste Reiserad-Variante. Wie beim Mountainbike geht aber der Trend auch hier zu größeren, klassischen Rädern mit 28 Zoll. Da das Rad so individuell sein muss wie der Fahrer, bieten größere Manufakturen auch online einen Konfigurator an, mit dem du dir dien Traumrad mit allen Komponenten individuell zusammenstellen kannst. Einige Spielwiesen sind etwa bei Patria, bei Rose oder Velotraum zu finden.

Wer komplette Reiseräder bewundern möchte, dem empfehle ich Martins Top 10 der Reiseräder: Teil 1 und Teil 2.

Radreise-Typen – die Artikelserie

Nach und nach möchte ich alle Radreise-Typen von Fahrrädern vorstellen. Die stabilste Version des hier beschriebenen „Radreise-Panzers“ ist sicherlich die beliebteste, aber natürlich nicht die einzige: Im ersten Artikel der Serie habe ich bereits beschrieben, dass eine Radreise auch mit einem Alltags-Fahrrad zu meistern ist.

Was meinst du?

Fährst du lieber 26 Zoll oder 28 Zoll? Nabenschaltung oder Kettenschaltung? Deine Meinung in einem Kommentar würde mich freuen!

Wasserdichte Radschuhe mit Silikon

Radschuhe mit Cleats haben einen entscheidenden Nachteil: Unten sind sie undicht und werden daher schnell nass. Wenn du damit rechnen musst, im Regen zu radeln, halten wasserdichte Überschuhe die Nässe von oben ab. Sobald du aber absteigst und in die erste Pfütze trittst, werden die Socken zwangsläufig nass, da das Wasser über die Öffnungen der SPD-Cleats in die Schuhe kommt.

Mavic Alpine: Für mich der perfekte Radschuh, aber undicht

Mavic Alpine: Für mich der perfekte Radschuh, aber undicht

So geschah es mit meinen Mavic Alpine – ein eigentlich toller Allround-Schuh, bei dem du die Cleats beim Laufen nicht merkst. Das Profil der Sohle macht auch gerne Wanderungen mit. Für mich der perfekte Schuh, bis auf das große Manko, dass schon bei einer feuchten Wiese es auch meine Socken sofort sind.

Die einfachste Lösung ist, ganz ohne Klickpedale zu fahren und feste Trekkingschuhe zu verwenden. Die Klickpedale sind sowieso Geschmacksache, unter den Reiseradlern scheiden sich da die Geister. Für mich aber keine Lösung, da ich den Komfort der Kombipedale auf längeren Touren nicht missen möchte. Denn du trittst einfach effizienter – Beine und Füße werden es dir danken. Wasserdichte Radschuhe gibt es natürlich, sind aber recht teuer.

Schnell verschlissen: Gewebeklebeband zum Abdichten unter SPD-Cleats

Schnell verschlissen: Gewebeklebeband zum Abdichten unter SPD-Cleats

Eine andere Lösung ist Gewebeklebeband, mit dem man die Platte im Schuh fixiert und auch an über die Sohle klebt. Dann noch einige Löcher am Gewinde für die Cleats stechen. Das Ganze hält zwar etwas länger dicht, aber nicht wirklich permanent. Das Klebeband hält an der Sohle nur begrenzt und ist bald ausgelatscht. Klebeband – sei es auch noch so robust – ist also nur eine Zwischen- oder Notlösung.

Die bislang beste Methode, Radschuhe wasserdicht zu bekommen, ist Silikon. Eine Tube zusammen mit einer Spritze kostet im Baumarkt nicht mehr als 10 Euro. Jedoch ist etwas Geschick im Umgang gefragt. Experimentiere daher ruhig etwas herum, denn das Zeug klebt derb. Bist du soweit, gehe folgendermaßen vor:

  1. Schraub die Cleats ab und nimm die Einlage aus dem Schuh heraus. Je nach Schuh wirst du auch die Schnürsenkel lockern müssen, um mit der Spritze hinterher an die Platte zu kommen. Dass der Schuh sauber sein sollte, versteht sich von selbst.
  2. Positioniere die Platte innen im Schuh dort, wo du sie brauchst. Hinterher wird sie wegen dem Silikon nicht mehr zu bewegen sein.
  3. Nun die Fummelarbeit: Spritze den ganzen Bereich um und auf der Platte mit einer Silikonschicht aus. Er sollte so dick sein, dass er hinterher mit Einlage nicht spürbar ist und daher möglichst eben sein.
  4. Mit einem dünnen Gegenstand kannst du das Silikon noch etwas verstreichen. Ich habe einen Zahnstocher genommen, mit dem ging es ganz gut. Einen alten Lappen oder Zewa solltest du dabei griffbereit haben.
  5. Warte mindestens 10 Minuten, bis die Aushärtung beginnt. Erst dann kannst du den Schuh umdrehen und an der Sohle arbeiten.
  6. An der Sohle soll eigentlich nur noch das Gewinde frei bleiben. Alles drum rum füllst du auch mit Silikon.
  7. Das Gleiche nun nur noch mit dem anderen Schuh. Da du nun geübter bist, passieren dir die Fehler vom ersten Schuh nicht mehr 😉
  8. Als Faustregel für die Trockendauer kannst du einen Tag pro Millimeter an Silikonschicht rechnen. Ich habe einige Tage verstreichen lassen, bevor ich die Einlage wieder eingesetzt und die Cleats wieder aufgeschraubt habe.
Silikon an der Sohle: Frei sind nur noch die Schraubgewinde

Silikon an der Sohle: Frei sind nur noch die Schraubgewinde

Silikon innen: Die Platte ist nun fix

Silikon innen: Die Platte ist nun fix

Nachdem mit Silikon alles abgedichtet ist, lässt sich die Platte nicht mehr bewegen! Diese ist jedoch auch ein Verschleißteil, wie eben die Cleats auch. Sollte sich wider erwarten der ganze Schuh länger halten als die Schraubkomponenten und musst diese austauschen, darfst du das Silikon wegkratzen und neu verspritzen.

Disclaimer:

Der Langzeittest steht auch bei mir noch aus. Meine Silikon-getunten Schuhe konnte ich bislang nur auf kurzen und trockenen Tagestouren testen. Erste Schritte durch Pfützen aber machten nicht gleich meine Socken nass. Der Schuh scheint also wasserdicht zu sein – juhu! Auch das Silikon kann sich an der Sohle ablösen. Ich rechne nicht damit, dass es eine Dichtung für die Ewigkeit ist. Das ist ein viel beanspruchter Radschuh aber auch nicht. Zudem kann ich ja leicht nachspritzen.

Wie auch immer sich das Silikon bewähren wird (oder auch nicht), werde ich hier schildern. Hast du ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht, mit dem Abdichten oder wasserdichten Radschuhen, freue ich mich über einen Kommentar.

Radreise Route planen – aber wie?

Möchtest du einfach drauf losradeln? Das kannst du natürlich machen. Für kleinere Touren ist das nicht einmal die schlechteste Idee. So paradox es klingen mag, aber zu viel Planen kann schlechter sein als zu wenig. Flexibel zu sein, was Zeit und Ort angeht, bringt eine zunächst ungewohnte Freiheit, die du hinterher nicht mehr missen möchtest. Was genau du in welches Detail genau planst, ist und bleibt Geschmacksache. Das gehört zum Prozess, seine eigenen Vorlieben auf Reisen erst mit den Touren kennenzulernen. Dennoch weißt du etwa nicht, wie du mit der Streckenplanung für die Radreise beginnen sollst. Einige Fragen müssen dennoch vorab geklärt sein. Etwa Papierkarten oder GPS-Touring? Von zuhause losradeln oder Anreise per Zug/Flug? Schnelle und asphaltierte oder schöne und abwechslungsreiche Strecke?

Die Route einer Radreise: Der Weg ist das Ziel

Die Route einer Radreise: Der Weg ist das Ziel

Die Reiseplanung vorab ist zudem die reinste Vorfreude, die ja die schönste Freude ist. Die Radreise wird konkreter kommt näher, je mehr du dich sich damit beschäftigt. Das Fernweh wird befeuert, umso mehr du dich mit dem Land oder der Region befasst. Letztlich wird das Reiseradeln umso schöner, je besser du die Gegend kennst, die du bereist.

Destination finden: Wohin soll es hingehen?

Nun gibt es zwei Motivatoren, die einem zur Radreise bewegen. Die Lust aufs Fahrrad fahren und/oder die Lust auf das Land. Gibt es eine Region, ein Land oder ein Ort, wozu der Satz „Da wollte ich schon immer mal hin!“ passt? Dann ist das schon mal die halbe Miete. Denn Fahrrad fahren kann man so gut wie überall auf der Welt. Ja, sogar am Südpol! 😉

Aber auch, wenn du noch nicht weißt, wo es hingehen sollen, ist das Internet prädestiniert als Inspirationsquelle. Natürlich gibt es unzählige Blogs von Radreisenden, die zum Glück ihre Reise mit Bild und Text dokumentieren. Einige meiner Favoriten sind Biketour Global, Stuntzi mit dem MTB oder die Reiseberichte-Sektion im Rad-Forum. Nachdem das Fernweh dank vielen Reiseberichten in Radreiselust umgeschlagen ist, dürfte es dir nicht mehr an lohnenswerten Zielen mangeln.

Internet hin oder her: Infos in Buchform lohnen sich zur Routenplanung

Internet hin oder her: Infos in Buchform lohnen sich zur Routenplanung

Route planen: Strecke selber zeichnen oder Radreiseführer verwenden?

Es führen viele Wege nach Rom. Je nach Land sind Radwege unterschiedlich gut ausgebaut. Für einen ersten Überblick bietet sich die OpenCycleMap an – egal ob eine kurze Radtour vor der Haustür oder am anderen Ende der Welt. Der Vorteil gegenüber den Google Maps sind die eingezeichneten Radwege und die Wegbeschaffenheit – also ob der Weg asphaltiert oder unbefestigt ist. Was das angeht, solltest du wissen, worauf es dir ankommt. Bist du eher der Randonneur, also Rennradler mit Gepäck, der am liebsten auf der Straße und dementsprechend schnell und weit fährt? Oder ist das Vorankommen zweitrangig und soll die Strecke schön statt schnell sein? Dann können durchaus Feld- und Waldwege infrage kommen, aber auch einige Schiebepassagen möglich sein.

Was kürzere Touren angeht, etwa bis ca. eine Woche, so kannst du ruhig Radroutenplaner hernehmen. Etwa Google Maps oder Naviki spucken eine verlässliche Radstrecke aus, wenn man sie mit Start- und Zielpunkt füttert. Die beste Route ist das jedoch nicht. Auch wenn Naviki etwa Unterscheidungen zwischen schnelle, flache oder kurze Strecke bietet, muss das nicht heißen, dass sie den eigenen Vorlieben und Ansprüchen lückenlos genügt.

Für Radreisen empfehle ich daher, keine Routenplaner zu verwenden, sondern die Strecken selbst zu zeichnen. Die Mühe lohnt sich, da du jeden Schlenker oder Abstecher berücksichtigen kannst und schließlich der Weg das Ziel ist. Am geeignetsten dafür halte ich GPSIES. Hier kannst du etwa entlang der OpenCycleMap (oder auch zahlreichen anderen Karten) bequem Routen zeichnen, wobei nicht jeder einzelne Punkt gesetzt werden muss (aber auch kann). Außerdem wird das Höhenprofil schon in der Streckenerstellung angezeigt- genauso die Höhe über Meeresspiegel für jeden Kartenpunkt mithilfe des Cursors. Dadurch kannst du unnötige Steigungen umgehen oder eben einplanen. Außerdem kannst du nach vorhandenen Routen stöbern. Eine Alternative dazu ist die Bikemap.

Komfortable Routenplanung mit GPSIES.com

Komfortable Routenplanung mit GPSIES.com

Zeit planen: Wie lange am Tag radeln?

Kürzere Radreisen von nur wenigen Tagen kannst du auf den Tag genau mit Start- und Zielpunkt planen. Das hat den Vorteil, dass Unterkünfte im Voraus gebucht werden können. Bei längeren Radreisen die Tagesetappen festzulegen, ist jedoch unmöglich. Schnell wirst du merken, dass der ganze Plan über den Haufen geworfen wird, wenn auch nur eine Panne dazwischen kommt.

Plane hier daher nur im Groben. Also kenne deine Tagesstrecke an Kilometern und zusammen mit Pausentagen weißt du somit, wie lange du für die Radreise brauchst. Plane außerdem einen Puffer mit ein und ermittele deine Brutto und Netto-Tageskilometer. Je länger die Tour, umso größer der Puffer. Hast du etwa einen Tagesdurchschnitt von brutto 75 Kilometern, so plane in etwa 100 Kilometer pro Tag zu fahren, um einen Puffer zu haben.

Hast du vor, nur wild zu campen, erfreust du dich größtmöglicher Freiheit und Flexibilität. Denn so hast du gar nichts zu planen und dich nur rechtzeitig nach einem geeigneten Platz umschauen. Daher solltest du nicht gerade in dicht besiedelten Gebieten zum Doch auch wenn du vorhast, nur auf Zeltplätzen oder in Betten zu übernachten, musst du keine Tagesetappen planen. Informiere dich über Campingplätze oder Unterkünfte auf deiner Route und lote die Alternativen für die nächsten ein bis zwei Tage aus.

Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: die Tagesetappe

Du bist schon mal 200 Kilometer weit eine Tagestour gefahren? Nicht unrealistisch. Bedenke aber, dass derartige Leistungen für eine Radreise nicht skalierbar sind. Denn bist du täglich auf Tour, noch zudem mit Gepäck, solltest du auch hier großzügig planen. Eine Radreise ist kein Wettrennen – sie soll Spaß machen und Genuss bieten. Das ständige Glotzen auf den Tacho stresst daher nur und mache dir selbst keinen Druck, etwa mit der Durchschnittsgeschwindigkeit.

Der Radeltag ist begrenz auf die Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang. Je nach Jahreszeit und Ort ist der Tag unterschiedlich lang. Nicht nur Wildcamper sollten über beide Zeiten Bescheid wissen. Wer also nicht im Dunkeln radeln möchte, sollte sich diesen Zeiten stets bewusst sein.

Plane Alternativen zum Zeitplan

Bist du etwa dem Zeitplan hinterher, etwa aufgrund einer Panne, so stelle sicher, dass du notfalls den Zug oder Fernbusse nehmen kannst, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Eine größere Fahrradpanne wird dadurch nur halb so schlimm. Absolut nötig werden solche Alternativen, wenn du etwa einen Rückflug im Voraus gebucht hast.

Zwar weniger ärgerlich aber genauso unpraktisch wäre es, dem Zeitplan weit voraus zu sein. Um etwa dem vorzubeugen, fahre einfach pro Tag entsprechend weniger Kilometer oder lege einen Touri-Tag in einer Stadt ein. Gehe einen Tag wandern oder mach Pause mit Couchsurfing. Sei einfach kreativ und bereichere deine Radreise, die nicht nur aus Kilometerschaufeln bestehen muss.

Gedruckte Karten im digitalen Zeitalter

Ich muss zugeben, dass ich als Technik-Nerd noch nie für Radreisen gedruckte Karten verwendet habe. So praktisch die eben benannten Internet-Tools OpenCylceMap, GPSIES oder auch die OpenAndroMaps für das Smartphone auch sind, gedruckte Radwanderkarten sind noch immer qualitativ am besten, was die Darstellung und Vollständigkeit angeht. Wenn du also die bestmögliche Route finden willst, solltest du diese ergänzend hinuziehen. Zudem können sie als Notfallkarten dienen, falls die digitale Technik plötzlich ihren Geist aufgibt.

Wirst du länger in einer bestimmten Region verweilen, gehe ins entsprechende Tourismusbüro. Dort bekommst du nicht nur aktuellstes Kartenmaterial, sondern erfährst auch etwas über eventuell interessante Sehenswürdigkeiten.

Radreise-Routenplanung: Weniger ist mehr

So wichtig eine gewisse Planung auch sein mag, so wichtig ist es auch, nicht zu viel zu planen. Unterschätze die Flexibilität nicht, die du brauchst. Und wenn auch nur, um abzuschalten. Es handelt sich schließlich um einen Urlaub. Investiere lieber mehr Zeit darin, mehr über Land und Leute zu erfahren, anstatt die beste Route zu finden, die es sowieso nicht gibt.

Checkliste zur Routenplanung

  1. Destination festlegen
  2. Reisedauer festlegen
  3. Brutto- und Netto-Tageskilometer ermitteln
  4. Route erstellen/finden
  5. Alternativstrecken überlegen
  6. Route unterwegs stets anpassen/variieren

 

Reiserad-Typen: Mit dem Alltagsrad den eigenen Geschmack finden

Würde man in einem einschlägigem Forum eine Umfrage nach dem perfekten Reiserad starten, wäre es sicherlich eines mit Stahlrahmen, 26-Zoll-Räder, Gepäckträger und Lowrider, Rohloff-Antrieb und SON-Nabendynamo. Der typische Reiserad-Panzer in vielen Variationen, was die einzelnen Komponenten angeht, ist sicherlich die stabilste Radversion und daher wohl auch die beliebteste. Da es aber nicht DIE Radreise gibt, gibt es auch nicht DAS Reiserad. Und auch wenn Hersteller durchaus einige ihrer Modelle als solche bezeichnen, heißt das noch lange nicht, dass andere Radtypen nicht reisetauglich seien. Daher möchte ich in einer Artikelserie verschiedene Radtypen vorstellen, die sich für eine mehrtägige Tour eignen. Hier soll es um das Alltagsrad gehen, das durchaus tourentauglich sein kann und sich bestens zur Selbstfindung eigener Reiserad-Vorlieben eignet.

Einfaches Reiserad

Taschen ran und los geht die Radreise

Du bist gerade erst auf den Geschmack gekommen, eine Radreise zu unternehmen. Höchstwahrscheinlich hat dich irgendein Medienbericht oder Radreise-Blog dazu inspiriert, auch einmal eine mehrtägige Tour fahren zu wollen. Dein staubiges Trekking-Rad verwendest du aber nur für den gelegentlichen Einkauf oder Stadtbesuch. Außerdem sind die ganzen erfahrenen Radvagabunden nur mit teuren Maschinen unterwegs, sodass du der Meinung bist, erst einmal mind. 1.000 Euro für ein neues Rad hinlegen zu müssen.

Aber genau das ist falsch!

Soweit die gute Nachricht. Denn grundsätzlich ist eine mehrtägige Tour mit Gepäck mit fast jedem Rad möglich. Steht also in deinem Keller nicht gerade ein eingerosteter Drahtesel, sondern eine mittelmäßige aber solide Basis, so freunde dich ruhig mit dem Gedanken an, die ersten mehrtägigen Fahrversuche mit dem schon vorhanden Fahrrad zu bewältigen.

Egal ob Mountainbike, Damenrad, Oldtimer-Rennrad oder Stadtflitzer, oftmals lohnt es sich, das schon Vorhandene herzunehmen und gegebenenfalls etwas aufzurüsten, bevor sich eine gute aber teure Neuanschaffung lohnt. Gute Komponenten sind nicht unbedingt teuer – geschweige denn Verschleißteile. Sind diese gut in Schuss, ist das schon mal die halbe Miete. Zudem sind Pannen kein großes Problem, da du ohnehin zunächst im dicht besiedelten Europa tourst, bevor du über Expeditionen in die Dritte Welt nachdenkst.

Also pfeif drauf, dass ein Gepäckträger auf dem billigen aber schicken Mountainbike oder Rennrad vielleicht uncool aussieht. Fehlen dort die Schraubengewinde im Rahmen, nimmst du eben Schellen aus dem Baumarkt oder einen Sattelstützen-Gepäckträger. Zwei Ortlieb-Packtaschen dran, ein Packsack oben drauf und Lenkertasche an der Front – schon kann es losgehen.

Komponenten: Günstig aber haltbar

Was Trekkingbikes und Mountainbikes angeht, so sind solche mit einem soliden Antrieb nicht unbedingt teuer. Er sollte mindestens Komponenten der Shimano Alivio Gruppe haben. Besser ist Deore, am besten ist XT. Eine Alivio- oder Deore-Kurbel langt zunächst vollkommen aus und ein Deore-Schaltwerk ist mit ca. 30 Euro durchaus erschwinglich. Kettenblätter und Kassette sollten nicht verschlissene Zähne aufweisen. Wem hierfür der Blick fehlt, der sollte zum Fachmann. Oftmals lohnt sich hier ein Tausch des gesamten Antriebs, wenn Ritzel und Kettenblätter verschleißbedingt gewechselt werden müssen.

Reifenpannen werden durch den richtigen Luftdruck vorgebeugt. Zeigt der alte Mantel schon Risse auf, sollte er unbedingt vor der Tour gewechselt werden. Auf jedem Mantel steht der entsprechend benötigte Luftdruck. So brauchen dünnere Reifen einen höheren als breitere. Zumindest das stark belastete Hinterrad sollte auf beladener Tour mit Maximaldruck gefahren werden. Auf Nummer Sicher gehst du mit Mäntel, die über einen Pannenschutz verfügen. So sind Schwalbe Marathon zwar nicht gerade die leichtesten, jedoch so gut wie unplattbar und verzeihen auch mal einen etwas niedrigen Luftdruck. Eine gute und ebenso günstige Alternative zum Schwalbe Marathon ist der Continental Tour Plus.

Andere Komponenten, wie etwa Lenker, Griffe, Sattel oder Laufrad sind ebenso nicht unwichtig, für die ersten Radreise-Versuche jedoch nicht ganz so entscheidend wie etwa der Antrieb.

Radreisen gehen mit fast jedem Rad! Bild:

Radreisen gehen mit fast jedem Rad!

Strecken: Radwege und Waldwege

Sind die Verschleißteile des Alltagsrad in Schuss und der Gepäckträger montiert, fragst du dich, wo du nun letztendlich entlang fahren sollst. Auf der Landstraße von Rasern haarscharf überholt zu werden ist nicht wirklich entspannend. Idealerweise bleibst du daher auf Radwegen, die in Deutschland glücklicherweise großzügig, gut und meist asphaltiert ausgebaut sind. Wald- und Feldwege sollten jedoch auch kein Problem sein. Eine gute Übersicht darüber bieten die OpenCycleMaps, die recht vollständig und aktuell sind, was Deutschland angeht. Zur Routenplanung eignen sich Dienste wie etwa Naviki.org oder GPSIES, welche die OCM auch nutzen. Vermeide für die ersten Touren auch größere Steigungen, denn hier merkst du das schwere Gepäck erst so richtig.

Den eigenen Geschmack finden: Welcher Radreise-Typ bist du?

Bist du lieber schnell unterwegs? Oder geht es dir nicht um’s Kilometerschaufeln? Stock und Stein – oder Straße? Hoch in die Berge oder durch die Täler flitzen? Nach einigen Touren kristallisieren sich die eigenen Vorlieben heraus. Daher ist es wichtig, erst diese zu kennen, bevor du die nächstgrößere Anschaffung – ein dediziertes Reiserad – überlegst. Bis es soweit ist, kannst du dein Alltagsrad mit entsprechenden Komponenten umrüsten. Reifen mit Stollen für Stock und Stein – oder glatte, profillose Asphaltreifen für Straßenflitzer. Packtaschen für viel Gepäck – oder Rahmentaschen und Rucksack (Stichwort Bikepacking) für ein ultraleichtes Konzept.

Übersicht: Alltagsrad als Reiserad

Preis Gewicht Weg km/Tag Gepäck Stabilität Wartung
niedrig hoch Radwege 100 viel mittel mittel

 

Bild1: Davey Davis/flickr/cc-by-nc-sa
Bild2: cuddlesworth/flickr/cc-by-nc-nd

Checker Pig Cora: Ein Crossrad als Reiserad

Muss ein Reiserad ein Stahlpanzer von Velotraum, Patria oder der Fahrradmanufaktur sein? Kommt drauf an – für Weltreisen mit Sicherheit. Durchkreuzt man aber ohnehin nur europäische Regionen, kann auch der mittelmäßige Straßenflitzer problemlos zum Reiserad umfunktioniert werden. Mit dem Checker Pig Cora werde ich zum Nordkap aufbrechen.

checker pig cora

Checker Pig Cora: Mein Rad für Stadt und Reise

Lange habe ich recherchiert und überlegt, welches Reiserad das richtige für mich ist. Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass zunächst das Vorhandene genutzt werden sollte. Also steht schon ein brauchbares Fahrrad in der Garage, sollte man zunächst in Betracht ziehen, erst einmal mit dem gewohnten Gaul auf Reise zu gehen. Letztlich habe ich auch das mit meinem Checker Pig Cora (2008) getan und die wichtigsten Komponenten nach und nach ausgetauscht.

Gute, radreisetaugliche Teile sind nicht unbedingt teuer, daher spart man auch so einiges and Geld gegenüber einer Neuanschaffung. Außerdem ist dies auch zur persönlichen Selbstfindung sinnvoll. Lange liebäugelte ich mit einem klassischen Reiserad, als ich noch von längeren Radreisen träumte. Als ich die ersten Touren mit Cora hinter mir hatte, wurde mir klar, dass ein reisetaugliches Mountainbike meinem Geschmack eher entspricht. So habe ich Cora vom Trekking-Esel mit Gepäckträgern wieder zum flexiblen Crosser umgebaut. Sprich: Slick-Reifen und etwas mehr aufs Gewicht geachtet. Und sollte es doch mal zu einer Neuanschaffung kommen, bin ich mir nun sicher, dass es ein 29er-Hardtail werden wird.

Mein Gepäckkonzept, dessen zentrale Bestandteile ein Seatbag von bikepack.eu ist (ich liebe es!), möchte ich in einem gesonderten Artikel beschreiben. Dort möchte ich auch darauf eingehen, warum ich von den klassischen Gepäckträgertaschen weggegangen bin.

Mein Checker Pig Cora besteht nun aus folgenden Komponenten:

  • Sqlab 316 All Mointain Lenker (für mich mit recht breiten Schultern optimal, ansonsten wäre der schmalere „315 Cross Country“ empfehlenswert). Die 16-Grad-Biegung ist ein spürbarer Komfortgewinn gegenüber allen geraden Besenstangen!
  • Profex Triathlon-Lenkeraufsatz: (gut und günstig für nur 35 Euro) Habe ich nicht, um als Topsportler zu wirken – im Gegenteil: Er ist ne gute Möglichkeit, um während einer stundenlangen Fahrt auf gerader oder abschüssiger Strecke sich mit einer anderen Sitz- und Griffposition auszuruhen. Handgelenke und Hintern danken es. Den meisten langen Lenkerhörnchen, ich bin nich so’n Fan von denen…
  • SQlab Ledergriffe. Klar, das Braun ist Geschmacksache. Vorteil der Ledergriffe ist, dass sie sich nicht unangenehm abreiben, wie sogar die teuren Ergon-Griffe. Nachteil ist die Nässeempfindlichkeit, für mich aber hinnehmbar.
  • Schaltung: 3×9 Deore (Kurbel, Kassette, Kette und Schalthebel), Alivio-Umwerfer (langt, meine ich – bis jetzt kein Grund zu wechseln), XT-Schaltwerk (hieran spare ich nicht mehr, zwei Deore sind mir schon unterwegs verreckt…)
  • Bremsen: Avid Single Digit 7. Sind für mich DIE Felgenbremsen überhaupt. Preis-Leistungs-Verhältnis ist top! Kosten nur 45 Euro im gesamten Set (zwei Hebel und zwei Bremspaare), sind leicht und effektiv. Hydraulik-Felgenbremsen sind zwar effektiver, aber wiegen auch viel mehr und kosten das doppelt- und dreifache. Scheibenbremsen sind zwar am effektivsten, aber auch gleich um ein vielfaches teurer. Mein Rahmen hat zwar die dafür nötigen Aufnahmen, zum Umrüsten braucht man aber gleich einen neuen Satz Laufräder. Im nächsten Rad bremse ich vielleicht mit Scheiben.
  • SQlab 602LE active Sattel: In Braun war er 20 Euro billiger. 🙂 Ist ein guter Sattel, der nicht auf den Damm drückt. Diese Erfahrung musste ich bei einem Ledersattel von Brooks machen, auf diese schwören viele Reiseradler. Bei mir hatte er sich aber nach einigen 100 Kilometern immer noch nicht eingefahren, daher hatte er sich’s bei mir verspielt und ich bin zurück zum Gel-Sattel. Der SQlab-Sattel ist für mich ideal: In verschiedenen Breiten erhältlich und mit Aussparung für den Damm.
  • Vorderrad: Nabendynamo Shimano DH30N30 – der Zweitbilligste der Serie. Zusammen im absolut billigen Laufrad für knapp 40 Euro neu gekauft. Läuft seit vielen Tausend Kilometern zuverlässig, was mich erstaunt. Ich sollte es nicht verschreien. Gewiss nicht das leichteste und effizienteste Modell. Beim Neukauf würde ich mind. einen DH30N80 wählen. Das Topmodell von SON aber ist mir mit 200+ Euro einfach zu teuer. Ein Dynamo ist für mich unterwegs unverzichtbar, da er mein ebenso unverzichtbares Smartphone lädt.
  • Hinterrad: Shimano LX Nabe und Mavic 317 Felge. Im Gegensatz zum Vorderrad, auf dem nicht so viel Gewicht liegt, würde ich am Hinterrad nicht sparen. Meine Erfahrung ist die, dass hier gute Komponenten weniger anfällig für Achter sind.
  • Reifen: Aktuell Schwalbe Smart Sam Drahtreifen. Günstig, gutes Kompromiss-Profil und dennoch recht leicht. Läuft bisher genauso pannenfrei wie die zuvor gefahrenen Schwalbe Marathon, die jedoch ein ganzes Kilo(!) mehr am Rad ausmachen. Und da dies stets bewegt werden muss, merkt man es dort nahezu doppelt. Eine Mischbereifung wäre hier sicherlich sinnvoller. DAS beste Reifenset habe ich aber für meine Zwecke noch nicht entdeckt.

Natürlich sind nicht alle Komponenten für meinen Radelstil optimal, der aus langen Fahrten mit Abstechern auf unbefestigten Wegen und Singletrails besteht. Allen voran das billige Vorderrad. Mein Setup zeigt aber, dass es nicht teure Komponenten sein müssen, die ein Rad reisetauglich machen.

Wie die Technik selbst ist auch mein Setup im ständigen Wandel. Deswegen diskutiere ich darüber gerne. Äußert euch ruhig in den Kommentaren darüber – jegliche Kritik und Hinweise sind willkommen!

 

Von Nürnberg ans Nordkap – eine interaktive Radreise

Radreise NordkapWelcher Reiselustige wollte nicht schon immer mal an den nördlichsten Punkt Europas? Mit so wenig Gepäck wie möglich möchte ich so viel wie möglich erleben und reisen. Allein, aber nicht einsam – dank des Internets. Wer ich bin? Ach ja, dieser Typ hier.

Hier die Fakten zu meiner digitalen Radreise:

Strecke: 4444 Kilometer insgesamt,
Nürnberg-Sassnitz, (GPSies.com-Links)
Trelleborg-Oslo,
Oslo-Nordkapp,
und mit dem Flugzeug zurück.

Dauer: 66 Tage voraussichtlich (Juni – Juli 2014)

Digitaltechnik: Samsung Galaxy Note 3, Bluetooth,Tastatur, Zzzing-Fahrradlader, Wattgeizer-Solarpanel, Olympus E-PM 1, haufenweise SD-Cards, uvm.

Analogtechnik: Crossbike von Checker Pig

Warum Crowdfunding der Reise

Jede Reiselust wird durch Reiseberichte, Videos und Fotos vieler Reisenden inspiriert. So war es auch bei mir. Jetzt da ich selbst ein großes Abenteuer antreten werde, will ich ebenso meine Eindrücke und Erfahrungen in Form von Text, Bild und Ton teilen, denn geteilte Freude ist doppelte Freude.  Jeder kann solch ein Abenteuer in der Natur erleben. Und dass diese Behauptung nicht nur romantische Träumerei ist, möchte ich genau das beweisen. Meine Reise soll für andere eine Inspiration sein, wie viele andere Reisen für mich.

Daher habe ich über startnext.de ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um allen Reisebegeisterten die Möglichkeit zu geben, mich zu unterstützen und von meinen Erlebnissen etwas abzuhaben. Dafür biete ich z. B. exklusive Fotos und Videos von Wunschorten, mein Abenteuer-Logbuch als Ebook oder auch gedruckt sowie eine kurze Reisedoku als Video. Nicht-Unterstützer können natürlich meine Reise über meinen Live-Bericht hier auf dieser Seite genauso gut verfolgen.

Hier könnt ihr meine digitale Radreise unterstützen. Ich freue mich!

Warum zur Hölle „digital“?

#YOLO – Nein, nicht das Hipster-Schlagwort. Sondern „You only live online“ 🙂 Ich werde stets mit mobilem Internet online sein und werde über Blog- und Forenposts einen bebilderten Livebericht meiner Reise verfassen. Und sofern ich mich nicht in der netzlosen Wildnis befinde, sollte das möglichst auch täglich geschehen. Dadurch möchte ich Interessierte an meiner Reise direkt teilhaben lassen.

Alle Daten meiner Reise – von Fotos über Videos bis hin zu GPS-Daten – werden ich mit einer freien Lizenz(cc-by) im Netz zur Verfügung stellen. So kommen Fotos etwa in die Wikimedia Commons und GPS Daten der OpenStreetMap zugute.

Das „Herz“ meiner Tour wird ein Samsung Galaxy Note 3 sein, welches sich auf vielen meiner Reisen bewährt hat und per Nabendynamo und Solar mit Strom versorgt wird. Eine kleine Bluetooth-Tastatur hilft mir, unterwegs bequem schreiben zu können. Das Smartphone und auch anderes Equipment werde ich hier im Blog noch gesondert und ausführlich vorstellen.

Warum das Nordkap?

Das Nordkap – möchte man meinen! Auch wenn es das erklärte Ziel zahlreicher Touristen ist (und nun auch meins), ist es nicht Europas nördlichste Spitze. Wenn überhaupt, dann der nördlichste mit dem Auto erreichbare Punkt. Das Nordkap liegt auf der Insel Magerøya, somit ist es nicht Teil des europäischen Festlands. Aber diese Insel hat einen noch nördlicheren Zipfel, der Knivskjellodden genannt wird und 1,4 Kilometer nördlicher liegt als das Touristenmekka. Sucht man aber den wirklich nördlichsten Punkt des europäischen Festlands, so wird man erst auf der Nachbar-Halbinsel Nordkinn fündig – der Kinnarodden. Dieser Punkt aber ist wiederum nicht ganz so nördlich wie das Nordkap.

Ich werde alle drei Punkte bereisen, sofern möglich. Wobei wohl nur das Nordkap selbst mit dem Fahrrad erreichbar sein wird. Dennoch bin ich im Dilemma nicht zu wissen, an welchen Punkt ich mich nun wirklich am nördlichsten von Europa fühlen soll. Berücksichtige ich, dass das Nordkapp und der Knivskjellodden auf einer Insel liegen, müsste ich die Inselgruppe der Spitzbergen (Svalbard) auch noch für den „nördlichsten Punkt Europas“ in Betracht ziehen. Und der Kinnarodden ist der südlichste aller drei Orte. Der Knivskjellodden scheint mir der beste Kompromiss, um von meinem Zuhause zum nördlichsten Punkt Europas radeln zu wollen. Schließlich möchte ich keine umfangreiche Expedition starten, sondern eine Radreise mit denkbar einfachen Mitteln – technische wie finanzielle.

Auch möchte ich nicht die denkbar kürzeste und schnellste Reise zum Nordkap antreten, sondern die schönste. Die direkteste Tour durch Schweden würde wohl die Strecke in etwa halbieren. Auch wäre sie in zwei Wochen zu schaffen, sofern man nur geteerte Straßen nutzt, um durchzurauschen. Ich möchte die Landschaft auf mich wirken lassen, den ein oder andere Berg und sein Panoramablick mitnehmen und mir auch Zeit zum Fotografieren und Filmen nehmen. Per Couchsurfing und mithilfe meines Norwegisch-Kompaktkurses (Danke Alexandra!) hoffe ich, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

8 Gründe eine Radreise zu machen

Eine Reise mit dem Rad fährt man nicht um des Radfahrens willen. Für sportliche Ambitionen ist das Reiseradeln nicht geeignet, das überlasse ich dem Rennradler und dem Mountainbiker. Auch wenn diese beiden Varianten natürlich auch ihren Reiz (auch für mich) haben. Es ist hier Mittel zum Zweck, um die Welt zu sehen. Und dafür eignet es sich bestens – aus den folgenden Gründen:

Campen auf einer Radreise

Radreisen: Die Welt ist dein Zuhause

1. Das Fahrrad hat die genau richtige Reisegeschwindigkeit

Klar, Backpacker haben nicht den ganzen Tag in die Pedale zu treten. Langsam reisen bzw. neudeutsch auch “slow travelling” genannt, hat was. Dennoch kann man lediglich nur in engen Regionen wandern. Möchte man weiter durchs Land, ist man auf Bus/Bahn/Flug angewiesen und verpasst womöglich landschaftliche Reize, die dazwischen liegen.

Mit dem Rad reist man langsam genug, um die Umwelt intensiv wahrnehmen zu können. Dennoch kommt man noch schnell genug vorwärts, um weite Strecken zurücklegen zu können. Durch das sich ständig verändernde Panorama entstehen stets neue Eindrücke, wobei das Tollste ist, ein Gespür für die Distanzen zu bekommen zusammen mit dem beeindruckenden Gefühl, es aus eigener Muskelkraft zurückgelegt zu haben.

2. Fahrrad fahren kann man überall auf der Welt

Es gibt kein Kontinent, der nicht mit dem Rad erobert werden kann. Natürlich werden die meisten und auch schönsten Berggipfel nur zu Fuß erreicht. Ohne Rad muss man aber dennoch auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen. Natürlich gibt es Länder, die weniger für Anfänger geeignet sind. Die Welt ist jedoch noch groß und schön genug, um genug Alternativen für jeden Radreise-Geschmack zu bieten. Die grundsätzliche Unabhängigkeit, im Prinzip jeden Ort bereisen oder durchqueren zu können, ist schließlich eine Freiheit, die eigentlich nur Radreisenden vorbehalten ist.

3. Fahrrad und Ausrüstung müssen nicht teuer sein

Ein häufiger Anfängerfehler – auch meiner damals – ist der, der Qualität von Rad und Ausrüstung einfach zu viel Bedeutung beizumessen. “Schuld” sind die Veteranen auf Weltreise, die an dieser Qualität eben nicht sparen dürfen und man sich verständlicherweise an deren Rad und Ausrüstung orientiert. Ein Anfänger hingegen darf nicht nur, sondern sollte es sogar klein anfangen – sowohl was die Touren als auch was das Rad und Ausrüstung betrifft. Ist man noch keine langen Strecken gewohnt, sollte ohnehin zunächst klein anfangen und sich langsam steigern. Und das geht auch mit dem einigermaßen brauchbaren Mountainbike oder Trekkingrad, das vielleicht noch im Keller steht. Als blutiger Anfänger sollte man sich auch schon deswegen keinen Radreisepanzer kaufen, um eigene Vorlieben zunächst genau zu kennen.

Darauf möchte ich im Detail in einem späteren Artikel eingehen. Jetzt aber möchte ich nur klarstellen, dass erste “Fahrversuche” in Sachen Radreisen mit einem einfachen aber anständig gewarteten Rad machbar sind. Ähnliches gilt für die Ausrüstung: Qualitativ gute Kleidung und Camping-Artikel müssen nicht teuer sein. Je nach Artikel werden ab einem gewissen Preisniveau die Sachen lediglich leichter oder haltbarer, aber nicht unbedingt besser. Auch diese These werde ich mit praktischen Produktvergleichen belegen. Fazit: Schnappt euch euer altes Stadtrad, lasst den Fachmann drüberschauen und raus damit zur Wochenendtour!

4. Eine Radreise ist die günstigste Art, die Welt zu bereisen

Auch das ist eine kühne Behauptung und könnte von Minimalisten oder eigentlich viel eher von Backpackern widerlegt werden. Mir geht es aber ums Preis-Leistungs-Verhältnis: Mit keiner anderen Art und Weise reist man so viel für sein Geld. Ok, was Backpacker mehr in Hostels stecken, investiert der Radler in sein Gefährt. So viel Landschaft fürs Geld gibt es aber nur mit dem Rad. Dabei geht es nicht auf Verzicht – eher darum, für größere Kostenpositionen günstigere aber ebenso effektive Alternativen zu finden. Wer als Radler kein Hostel-Hopping macht, sondern im Zelt schläft, spart sich die Kosten für die Unterkunft, was auf Reisen einen Großteil ausmacht. Dafür gönnt man sich vielmehr eine Pizza im Restaurant, was ebenso ein Luxus ist, aber finanziell nicht allzu sehr ins Gewicht fällt. Zeltnächte und Mahlzeiten mit Gaskocher zubereitet müssen jedoch nicht unkomfortabel bzw. mager ausfallen. Auch darauf werde ich noch im Speziellen eingehen.

5. Überdurchschnittliche Fitness ist keine Voraussetzung

Zunächst hier auch der “Disclaimer”: Es kommt natürlich auf die eigenen sportlichen Ansprüche an. Trotzdem: Um längere Strecken mit dem Rad zurückzulegen, ist keine besondere Ausdauer oder Training nötig. Daher gibt es Reiseradler jeden Alters, Geschlechts und Bauchumfangs. Am Anfang sind die Tagesstrecken etwas kürzer, aber das dürfen sie auch. Ich rate ohnehin sich langsam zu steigern, was die Tagesstrecken angeht. Und was ist mit zahllosen, nahezu unbezwingbaren Steigungen? Einfach absteigen und schieben. Na und? Bloß keinen falschen Ehrgeiz entwickeln. Eine Radreise soll man genießen können. Wer gegen seinen Schweinehund radeln will, tut das besser auf dem Rennrad oder Mountainbike.

Also: Besser wird man von alleine. Hört man auf seinen Körper, passt man das Rad und sein Reiseverhalten entsprechend an, kann die Reise auch genossen werden.

6. Fahrräder haben eine einfache Technik

Der Horror schlechthin: Man ist mit dem Rad im australischen Outback unterwegs und dann – Radpanne! Kein Radhändler da, der mir Schlauch, Kette oder Seilzug flicken kann. Ich sehe schon die Geier kreisen! (Gibt’s in Australien überhaupt welche? War noch nie da! 😉 ) Das Gute daran, sich solche Gedanken zu machen ist die Bestätigung, dass im Kopf auch wirklich alle Eventualitäten durchspielen. Grundsätzlich ist man lieber vorsichtiger als zu naiv – erst recht als Individualreisender.

Aber: Mal ganz davon abgesehen, dass wenn man wirklich diese Pannen nicht beheben kann, sich besser zunächst auf den Donau-Radweg und ähnliche dicht besiedelte Gebiete beschränkt, ist die gute Nachricht, dass die Fahrradtechnik kein Hexenwerk ist. Solche Pannen zu beheben – ja sogar zu vermeiden und minimieren – ist erlernbar. Dabei braucht es kein Zweiradingenieur-Diplom. Um laufen zu lernen ist auch kein Medizinstudium nötig, damit man die arbeitenden Muskelgruppen sezieren könnte. Mit etwas Erfahrung und Wissen in Reparatur, Wartung und nicht zuletzt auch richtigem Fahrverhalten (bremsen und schalten), lassen sich die meisten Reisen bewältigen.

7. Komfort und wenig Geld ist kein Widerspruch

Nicht zuletzt ist das stets eine individuelle Frage, woran man leicht sparen kann und woran nicht. Ich persönlich etwa schlafe bestens auf einer Trekking-Luftmatratze und im Sommer in meiner Hängematte mit eingenähtem Moskitonetz. Als Mahlzeiten sind einfache Nudeln und Reis für mich Festessen. Ich war nie der Gourmet, daher macht mich auch einfache und kalte Nahrung satt und glücklich. Auf einer einfachen Isomatte schlafen könnte ich aber nicht auf Dauer. Daher habe ich daran nicht gespart.

Campen ist für das Ausleben der ultimativen Freiheit beim Reiseradeln untrennlich, um den Anspruch erfüllen zu können, überall dort sein zu können, wo es schön ist oder wo man will. Ein Sonnenauf- und untergang auf einer Berganhöhe entspricht für mich eher dem Begriff Komfort als ein steriles Hostelbett.

Trotzdem: Man muss nicht zelten, um Geld zu sparen. Hostel- und Hotel(!)-vergleiche im Internet bieten selbst in Industrieländern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für eine Unterkunft. Je nach Auslastung habe ich Hotelzimmer ergattert, die günstiger waren als ein Bett im Hostel-Schlafsaal.

8. Verschiedene Fahrradtypen bedienen alle Geschmäcker

Es gibt nicht DAS Reiserad. Zwischen Rennrad und Mountainbike gibt es auch entsprechende reisetaugliche Räder, die ebenso leichte Flitzer oder robuste Crosscountry-Panzer sein können. Der “Randonneur” ist das typische Rennrad mit Gepäckträger. Mountainbiker biedern sich dem Reiseradeln mit dem “Bikepacking” an. Beides erlaubt entsprechende mehrtägige Touren. Oft entwickeln oder verändern sich gewisse Vorlieben und Tendenzen mit der Reiseerfahrung. Vor einer längeren Tour sollte man seinen Typ kennen.

Bild: thx to jbdodane / cc-by

Hallo Welt!

beautiful beach

Die Welt ist zu schön, um sie nicht zu bereisen

Die Standardüberschrift des ersten Beispielbeitrags eines jeden neuinstallierten WordPress-Blogs bliebt hier stehen, weil sie hier passt. Im Prinzip geht es auf diesen Internetseiten darum, Hallo zur Welt zu sagen.

Damit ist gemeint, die Welt zu bereisen und Landschaften wie Kulturen zu erleben, erfahren oder genießen. Egal ob Backpacker, Reiseradler oder gar die Vollzeitversion „digitale Nomaden“ – eines haben alle gemein: das Fernweh, die Sehnsucht nach Erlebnissen anstatt Materiellem, wie auch immer man das Gefühl nennen möchte.

Viele Wege führen nach Rom. Nur wie bestreitet man ihn?

Aber genug der Lyrik. Der Sehnsucht nach der Ferne folgen bald schon stets konkrete Fragen und Themen für den Einzelnen: Wohin reise ich wie und wann? Was gibt es dort zu erleben? Wie schaffe ich mir genug Freizeit? Welches Equipment brauche ich für’s Hiking oder Biking? Meist gehen Fragen stets ins Detail und gefundene Antworten darauf sind Mosaiksteine, die eine für utopisch gehaltene Reise immer realistischer werden lassen.

Dabei ist es egal, was genau man vor hat – ob Pauschalreise, Individualreise – Backpacker – oder andere ganz persönliche Zielsetzungen: Das Reisen ist ein Progress, denn man lernt selbst dazu, was einem liegt oder eher nicht. Sind etwa lange Radreisen doch nicht dein Ding? Schleppst du zu viel Gewicht beim Trekking? Oder genießt du hin und wieder auch mal einen günstig ergatterten Pauschalurlaub – auch wenn man das sich nicht als Backpacker, Nomade oder Abenteurer zugeben traut. Nicht nur die Welt lernt man beim Reisen kennen, auch sich selbst.

Dennoch muss nicht jede Erfahrung selbst erlernt werden. In diesem Blog (und eigentlich überall im Internet) werden konkrete Fragen in Form von Ratgebern, Praxistests oder Reiseberichten beantwortet. Nicht zuletzt solche, die ich mir selbst gestellt habe und noch immer stelle.

Warum das Fahrrad ein perfektes Reisemittel ist

Eins vorneweg: Biken ist nicht jedermanns Sache. Es gibt Menschen, die werden sich nie mit einem Fahrrad anfreunden – egal was für eins. Dann gibt es eingefleischte Subszenen. Mountainbiker und Rennradler sind die größten und eher unter sich. Solche Leute kann und will ich auch nicht bekehren und finden hoffentlich wenigstens die Parts der Reisen und des Trekkings interessant. Allen anderen ohne grundsätzliche Aversion kann und möchte ich die Faszination des Fahrrads und Reiseradelns näherbringen.

Es ist der perfekte Kompromiss daraus, die Welt zu erleben und dennoch immer dort zu sein, wozu man einfach Lust hat. Trekking hat seinen Reiz, doch erstreckt sich die Route nur über wenige Kilometer. Die Landschaft erlebt man zwar intensiver, doch der Landschaft/Zeit-Faktor ist bei einer Radreise höher.

Grenzen existieren nur im Kopf – und nicht auf der Welt

Der Mensch ist ein Mensch, weil er zweifelt. Daher begrenzen Ängste  im Kopf die Wahrnehmung und schränken das ein, was man als realistisch erachtet – so auch Träumen. Doch bevor dieser Absatz nun so wirkt, als wäre er einer unsäglichen Motivationsfibel entnommen, möchte ich konkret werden: NICHTS beschränkt die Wanderlust. Weder Geld noch Familie noch Arbeit:

  • Ist eine Weltreise teuer? Ja, wenn man nichts spart. Nein, wenn man plant! Eine Reise muss nicht teuer sein – egal welche!
  • Reisen mit Partner oder Kindern unmöglich? Warum? Ist es nicht auch eine Bereicherung, miteinander Erlebnisse jenseits des Alltags zu teilen?
  • Und man muss kein digitaler Nomade werden, um oft und/oder lang zu reisen. Natürlich sind stets Kompromisse einzugehen, doch oft muss man nicht gleich die Festanstellung aufgeben: Unbezahlter Urlaub, der vorher mit Ersparnis oder parallelem finanziellen Standbein kompensiert wird, ist nur eine der Möglichkeiten.

Natürlich sind Vorlieben, Ziele und erst recht Werte stets individuell. Doch wird man vom Reisefieber gepackt, wird einem mehr und mehr klar, dass man arbeitet um zu leben – und nicht umgekehrt. So abgedroschen diese Phrase auch ist, hat jeder seinen persönlichen Kompromiss hieraus zu finden. Ein Vollzeitjob muss kein Hamsterrad bedeuten und die Selbstständigkeit ebensowenig die ultimative Freiheit. Manch einer mag sich damit begnügen die einigermaßen erträgliche Arbeit zähneknirschend hinter sich zu bringen, um hinterher in der Freizeit mit Hobbys die Lebensfreude zu finden. Manch anderer aber mag den Anspruch haben, diese schon – zumindest ein Stück weit – MIT der Arbeit zu erlangen. Der besagte persönliche Kompromiss liegt oft irgendwo dazwischen. Sofern du ihn noch nicht gefunden hast, hoffe ich, mit diesem – wenn auch eher praktischem – Blog dazu beizutragen ihn zu finden.

Manuel

 

Bild: Christian Lambert Photography/flickr.com/cc-by-nd